Zusam­men­hang zwischen Glau­kom und Rußbe­las­tung untersucht

Mögliche Verbindung zwischen Luftverschmutzung und erhöhtem Augeninnendruck

19. Februar 2019

Die Unter­schie­de in der welt­wei­ten Präva­lenz von Augen­krank­hei­ten werden häufig auf die Gene­tik allein oder die Schwie­rig­kei­ten beim Zugang zur Gesund­heits­ver­sor­gung zurück­ge­führt. Nun hat eine Forscher­grup­pe aus Boston unter­sucht, ob zwischen der Luft­ver­schmut­zung durch Ruß und der Entste­hung eines Glau­koms ein Zusam­men­hang besteht.


Der Einfluss von Ruß auf die Gesund­heit, wie zum Beispiel erhöh­ten Blut­druck, ist gut doku­men­tiert. Biolo­gi­sche Prozes­se wie die Endo­thel­funk­ti­on oder oxida­ti­ver Stress spie­len dabei eine wich­ti­ge Rolle. Geht man davon aus, dass ein erhöh­ter Blut­druck sowie ein erhöh­ter Augen­in­nen­druck teil­wei­se auf den glei­chen physio­lo­gi­schen Prozes­sen beru­hen, muss die Frage gestellt werden, ob eine lang­fris­ti­ge Rußex­po­si­ti­on auch zu einem Glau­kom führen kann. In ihrer im JAMA Ophthal­mo­lo­gy veröf­fent­lich­ten Studie postu­lie­ren die Forscher aus Boston die Hypo­the­se, dass unter Umstän­den auch eine erhöh­te Umwelt­be­las­tung mit Ruß über die Erhö­hung des Augen­in­nen­drucks zu einem Glau­kom führen kann.


Für die bevöl­ke­rungs­ba­sier­te Analy­se verwen­de­ten die Forscher die Daten der „Norma­ti­ve Aging Study“ des US-ameri­ka­ni­schen Kriegs­ve­te­ra­nen­mi­nis­te­ri­ums. Die Analy­se umfass­te 419 Männer im Durch­schnitts­al­ter von 75,3 Jahren, bei denen anhand ihres Wohn­orts von einer Lang­zeit­be­las­tung durch Rußpar­ti­kel ausge­gan­gen werden konnte. Insge­samt wurden 911 Follow-up-Studi­en­be­su­che zwischen Januar 2000 und Dezem­ber 2011 durch­ge­führt. Der Augen­in­nen­druck wurde durch die Gold­mann-Applana­ti­ons­to­no­me­trie gemes­sen. Die mitt­le­re 1‑Jah­res-Expo­si­ti­on gegen­über schwar­zem Kohlen­stoff betrug 0,51 μg /m3. Der mitt­le­re Augen­in­nen­druck betrug für beide Augen 14,1 mmHg.


Um eine mögli­che Asso­zia­ti­on zwischen einer Rußex­po­si­ti­on und den entspre­chen­den biolo­gi­schen Signal­we­gen wie Endo­thel­funk­ti­on und oxida­ti­vem Stress aufzu­spü­ren, nutz­ten die Forscher geno­ty­pi­sche Daten der Proban­den. Ein unab­hän­gig entwi­ckel­ter gene­ti­scher Score wurde verwen­det, um die Allel-Risi­ko­be­wer­tung für verschie­de­ne mit Ruß-Toxi­zi­tät asso­zi­ier­te Signal­we­ge zu berechnen.


In ihrer Auswer­tung stell­ten die Forscher fest, dass der Zusam­men­hang einer Rußex­po­si­ti­on mit dem Augen­in­nen­druck bei Perso­nen mit einem hohen Allel­wert für oxida­ti­ven Stress (β = 0,36; 95%-KI 0,003−0,73) größer war als bei Perso­nen mit nied­ri­ger Punkt­zahl (β = ‑0,35; 95%-KI, ‑0,86−0,15). Diese Asso­zia­ti­on hielt auch nach der Anpas­sung an wich­ti­ge Krank­heits­zu­stän­de wie Entzün­dun­gen, Glau­kom, Fett­lei­big­keit, ischä­mi­sche Herz­er­kran­kun­gen und Diabe­tes an, sodass die Rußex­po­si­ti­on ein Risi­ko­fak­tor für einen erhöh­ten Augen­in­nen­druck bei Perso­nen sein kann, die für oxida­ti­ve Stres­so­ren empfäng­lich sind. Damit postu­lie­ren die Forscher einen auf Genen und Umwelt basie­ren­den Zusam­men­hang bei der Beein­flus­sung des Augen­in­nen­drucks, vergleich­bar mit ande­ren Studi­en­ergeb­nis­sen, die eine bereits bekann­te Verbin­dung zwischen Gen-Umwelt-Inter­ak­tio­nen und den Gefah­ren des Rauchens bele­gen. Es sind jedoch weite­re Unter­su­chun­gen erfor­der­lich, um die neuen Ergeb­nis­se zu bestä­ti­gen und diesen Zusam­men­hang besser zu etablie­ren, stel­len die Studi­en­au­toren abschlie­ßend fest.

Autor: Nwanaji-Enwerem JC, Wang W, Nwanaji-Enwerem O et al.
Korrespondenz: Jamaji C. Nwanaji-Enwerem, PhD, Department of Environmental Health, Harvard T. H. Chan School of Public Health and MD-PhD Program, Harvard Medical School, 665 Huntington Ave, Building 1, Room G7, Boston, MA 02115
Studie: Association of Long-term Ambient Black Carbon Exposure and Oxidative Stress Allelic Variants With Intraocular Pressure in Older Men
Quelle: JAMA Ophthalmol. 2018 Nov 8. doi: 10.1001/jamaophthalmol.2018.5313. [Epub ahead of print]
Web: http://doi.org/10.1001/jamaophthalmol.2018.5313

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