Vorher­sa­ge­mo­dell für Offenwinkelglaukom

Daten zur langfristigen Variabilität des Augeninnendrucks erhöhen Vorhersagegenauigkeit nicht

6. Juni 2020

ST. LOUIS (Bier­mann) – Der Beitrag der lang­fris­ti­gen Varia­bi­li­tät des Augen­in­nen­drucks (IOP) zur Entwick­lung des primä­ren Offen­win­kel­glau­koms (POAG) ist nach wie vor umstrit­ten. Eine Post-hoc-Sekun­där­ana­ly­se von 2 rando­mi­sier­ten klini­schen Studi­en zeigt nun: Die Einbe­zie­hung von Daten zur lang­fris­ti­gen Varia­bi­li­tät des IOP verbes­sern wahr­schein­lich nicht die Vorher­sa­ge­mo­del­le zur Entwick­lung eines POAG bei Perso­nen mit unbe­han­del­ter okulä­rer Hypertonie.

Die Sekun­där­ana­ly­se umfass­te Daten von 709 Teil­neh­mern aus der Beob­ach­tungs­grup­pe der Ocular Hyper­ten­si­on Treat­ment Study (OHTS), die vom 28. Febru­ar 1994 bis zum 1. Juni 2002 durch­ge­führt wurde sowie von 397 Teil­neh­mern der Place­bo­grup­pe der Euro­pean Glau­co­ma Preven­ti­on Study (EGPS), die vom 1. Januar 1997 bis 30. Septem­ber 2003 nach­un­ter­sucht wurden. Die Daten­ana­ly­sen fanden zwischen dem 1. Januar 2019 und dem 15. März 2020 statt.

Das ursprüng­li­che Vorher­sa­ge­mo­dell für die Entwick­lung eines POAG umfass­te die folgen­den Base­li­ne-Fakto­ren: Alter, IOP, zentra­le Horn­haut­di­cke, verti­ka­le Cup-Disc-Ratio und Muster­stan­dard­ab­wei­chung. Die nun durch­ge­führ­te Analy­se teste­te, ob die Substi­tu­ti­on des Base­li­ne-IOP durch den mitt­le­ren Follow-up-IOP, die SD des IOP, dem maxi­ma­len IOP oder dem IOP-Varia­ti­ons­ko­ef­fi­zi­en­ten die Vorher­sa­ge­ge­nau­ig­keit verbes­sern würde. Die Studi­en­au­toren verwen­de­ten die C‑Statistik, um die Vorher­sa­ge­ge­nau­ig­keit von Cox-Model­len für die Entwick­lung eines POAG zu vergleichen.

Die Daten aus OHTS bestan­den aus 97 POAG-Endpunk­ten von 709 Teil­neh­mern (58,7% Frauen; 25,0% Afro­ame­ri­ka­ner und 69,1% Weiße; mitt­le­res [SD] Alter 55,7 [9,59] Jahre; medi­a­nes Follow-up 6,9 [0,96–8,15] Jahre). Die Daten aus der EGPS bestan­den aus 44 POAG-Endpunk­ten von 397 Teil­neh­mern in der Place­bo­grup­pe (50,1% Frauen; 100% Weiß; Durch­schnitts­al­ter 57,8 [9,76] Jahre; medi­a­nes Follow-up, 4,9 [1,45–5,76] Jahre).

Die C‑Statistik für das ursprüng­li­che Vorher­sa­ge­mo­dell betrug 0,741. Wenn in diesem Vorher­sa­ge­mo­dell die Messung des Base­li­ne-IOP durch eine Messung des Follow-up-IOP ersetzt wurde, waren die C‑Statistiken wie folgt: mitt­le­rer Follow-up-IOP 0,784; maxi­ma­ler IOP 0,781; SD des IOP 0,745; IOP-Range 0,741 und IOP-Varia­ti­ons­ko­ef­fi­zi­ent 0,729. Die C‑Statistiken in der EGPS waren ähnlich. Keine Messung der IOP-Varia­bi­li­tät erhöh­te die C‑Statistik in den Kohor­ten um mehr als 0,007, wenn sie dem Vorher­sa­ge­mo­dell hinzu­ge­fügt wurde, das den mitt­le­ren Follow-up-IOP, das Alter, die zentra­le Horn­haut­di­cke, die verti­ka­le Cup-Disc-Ratio und die Muster­stan­dard­ab­wei­chung umfasste.

(isch)

Autoren: Gordon MO et al.
Korrespondenz: Mae Gordon, Department of Ophthalmology and Visual Sciences, Washington University School of Medicine in St Louis, St Louis, Missouri
Studie: Evaluation of a Primary Open-Angle Glaucoma Prediction Model Using Long-term Intraocular Pressure Variability Data: A Secondary Analysis of 2 Randomized Clinical Trials
Quelle: JAMA Ophthalmol 2020; Jun 4.
Web: https://doi.org/10.1001/jamaophthalmol.2020.1902

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