Verkehrs­un­fäl­le durch Sehbehinderung

Hohe Rate in Ländern mit geringem und mittlerem Einkommen

6. September 2021

GUANGZHOU (Bier­mann) – Offen­bar besteht ein posi­ti­ver Zusam­men­hang zwischen einer Sehbe­hin­de­rung und Verkehrs­un­fäl­len in Ländern mit gerin­gem und mitt­le­rem Einkom­men (LMIC). Das berich­ten zumin­dest die Autoren einer aktu­el­len Studie aus China.

Die Ergeb­nis­se der Studie unter­strei­chen die Dring­lich­keit einer erfor­der­li­chen Beur­tei­lung der Sehfunk­ti­on vor Ertei­lung eines Führer­scheins, so das Resü­mee der Autoren.

Die Wissen­schaft­ler führ­ten im Rahmen einer syste­ma­ti­schen Über­sichts­ar­beit und Meta­ana­ly­se eine Lite­ra­tur­re­cher­che in MEDLINE, Embase, Psyc­IN­FO, CINAHL, Web of Science sowie Coch­ra­ne-Libra­ry bis 2.April 2020 durch, um zu unter­su­chen, inwie­fern eine Asso­zia­ti­on zwischen schlech­ter Sehschär­fe und Sicher­heit im Stra­ßen­ver­kehr besteht. Mithil­fe von Random-Effects-Model­len mit Resi­du­al-Maxi­mum-Likeli­hood-Metho­de analy­sier­te die Arbeits­grup­pe die Ergeb­nis­se der einzel­nen Studien.

Die Forscher ermit­tel­ten 49 (1,8%) geeig­ne­te aus insge­samt 2653 beur­teil­ten Arti­keln und schlos­sen 29 (59,2%) Arti­kel mit 15.394 Teil­neh­mern (mitt­le­re Stich­pro­ben­grö­ße n=530 [SD 824]; mitt­le­res Alter 39,3 [SD 9,65] Jahre; 7,6% [1167] Frauen) in die verschie­de­nen Daten­ana­ly­sen ein.

Die Wissen­schaft­ler stell­ten fest, dass die Präva­lenz von Sehbe­hin­de­rung unter den Verkehrs­teil­neh­mern zwischen 1,2 und 26,4% (26 Studi­en) lag. Die Präva­lenz von Farb­sinn­stö­run­gen lag zwischen 0,5 und 17,1% (15 Studi­en) und die von Gesichts­feld­de­fek­ten zwischen 2,0 und 37,3% (10 Studi­en). Des Weite­ren fanden die Exper­ten heraus, dass ein erheb­li­cher Anteil (10,6–85,4%) an Verkehrs­teil­neh­mern einen Führer­schein ohne vorge­schrie­be­nen Sehtest erhielt.

Darüber hinaus ergab die Meta­ana­ly­se ein um 46% höhe­res Risiko für einen Verkehrs­un­fall bei Perso­nen mit einer Sehbe­hin­de­rung im Bereich der Makula (RR 1,46; 95%-KI 1,20–1,78; p=0,0002; 13 Studi­en), ein um 36% erhöh­tes Risiko bei Farb­sinn­stö­run­gen (RR 1,36; 95%-KI 1,01–1,82; p=0,041; 7 Studi­en) und ebenso ein um 36% höhe­res Risiko bei Gesichts­feld­de­fek­ten (RR 1,36; 95%-KI 1,25–1,48; p<0,0001; 7 Studi­en). Der I2-Wert für die statis­ti­sche Gesamt­he­te­ro­ge­ni­tät betrug 63,4%.

(tt)

Autoren: Piyasena P et al.
Korrespondenz: Nathan Congdon; ncongdon1@gmail.com
Studie: Vision impairment and traffic safety outcomes in low-income and middle-income countries: a systematic review and meta-analysis
Quelle: Lancet Glob Health 202; Aug 16;S2214-109X(21)00303-X.
Web: dx.doi.org/10.1016/S2214-109X(21)00303-X

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