Unkon­trol­lier­ba­res Glaukom

Netarsudil  als neue Substanzklasse mit vielfätigen Wirkmechanismen

14. September 2021

BOSTON (Bier­mann) – Bei Netar­su­dil, einem Rho-Kinase-Inhi­bi­tor, handelt es sich um eine neue Subs­tanz­klas­se unter den Antig­lau­kom­a­to­sa. Netar­su­dil senkt zum einen den Augen­in­nen­druck, zum ande­ren vermu­tet man viele verschie­de­nen plei­o­tro­pe Wirkun­gen wie bspw. durch­blu­tungs­för­dern­de, neuro­pro­tek­ti­ve sowie anti­in­flamma­to­ri­sche Effekte.

Eine aktu­el­le Studie hat nun gezeigt, dass Netar­su­dil bei unkon­trol­lier­ba­rem Glau­kom den IOD signi­fi­kant senken, aber auch in einem hohen Prozent­satz eine konjunk­ti­va­le Hyper­ämie bewir­ken kann.

Die Wissen­schaft­ler über­prüf­ten retro­spek­tiv medi­zi­ni­sche Aufzeich­nun­gen zu 140 Pati­en­ten mit unkon­trol­lier­ba­rer okulä­rer Hyper­ten­si­on, Offenwinkel‑, Engwin­kel- oder Sekun­där­glau­kom (60% schwe­res Stadi­um), denen zwischen Dezem­ber 2017 und Septem­ber 2019 Netarsudil‑0,02%-Augentropfen in der städ­ti­schen Augen­kli­nik für die sozial schwa­che Bevöl­ke­rung (Safety-net-hospi­tal) des Boston Medi­cal Centers (BMC) in Massa­chu­setts (USA) verschrie­ben wurde. Bei 10 Pati­en­ten (7%) wurden die Kosten nicht über­nom­men, sodass sie von der Studie ausge­schlos­sen wurden. 99 Pati­en­ten (71%) muss­ten zunächst einen Kosten­über­nah­me­an­trag für Netar­su­dil bei der staat­li­chen Versi­che­rung stellen.

In die  Analy­se wurden letzt­lich 130 Pati­en­ten aufgenommen.

Die Arbeits­grup­pe legte als Endpunk­te die Verän­de­rung des IOD gegen­über dem Ausgangs­wert sowie das Auftre­ten uner­wünsch­ter Neben­wir­kun­gen (UE) fest.

Die Forscher ermit­tel­ten einen IOD-Ausgangs­wert von 18,27±5,28 mmHg. Es zeigte sich im Verlauf der Nach­kon­trol­len eine signi­fi­kan­te Reduk­ti­on des IOD um 3,01 mmHg auf 15,2±4,48 mmHg (p<0,001). 54 Pati­en­ten (42%) entwi­ckel­ten UE, insbe­son­de­re eine konjunk­ti­va­le Hyperämie.

Die Exper­ten stell­ten des Weite­ren fest, dass 38 Pati­en­ten (29%) anstel­le einer Photo­ko­agu­la­ti­on oder einer chir­ur­gi­schen Inter­ven­ti­on zunächst Netar­su­dil appli­zier­ten. In 36 Fällen (94,7%) war jedoch später aufgrund eines unzu­rei­chen­den Anspre­chens des Antig­lau­kom­a­to­s­ums eine Inter­ven­ti­on erforderlich.

(tt)

Autoren: Fridman G et al.
Korrespondenz: Manishi A Desai; manishi.desai@bmc.org
Studie: Real-World Clinical Impact of Netarsudil 0.02% at an Urban Safety-Net Hospital
Quelle: J Ocul Pharmacol Ther 2021; Jul-Aug;37(6):338-342.
Web: dx.doi.org/10.1089/jop.2020.0112

html

Aus rechtlichen Gründen (Heilmittelwerbegesetz) dürfen wir die Informationen nur an Fachkreise weitergeben.