Trocke­nes Auge bei Frauen mit Brustkrebs

Hormongleichgewicht spielt wesentliche Rolle

19. Juli 2021

ROM (Bier­mann) — Das Syndrom des trocke­nen Auges (DES) ist eng asso­zi­iert mit den Geschlechts­hor­mo­nen. Eine aktu­el­le Über­sichts­ar­beit hat nun gezeigt, dass eine Brust­krebs (BC)-Behandlung, die anschlie­ßen­de Hormon­the­ra­pie, der nach­fol­gen­de funk­tio­nel­le Hyper­an­dro­ge­nis­mus und die phar­ma­ko­lo­gisch durch Aroma­ta­se­hem­mern indu­zier­te Meno­pau­se für das Versa­gen des Augen­ober­flä­chen­schut­zes verant­wort­lich sein könnten.

Das DES sei Teil der iatro­ge­nen Trocken­heit bei BC (BCID), die als syste­mi­sche Erkran­kung das gesam­te Schleim­haut­ge­we­be des Körpers betref­fen kann, schrei­ben die Autoren. Sie beto­nen, dass die Geschlechts­hor­mon­dy­na­mik bei der jewei­li­gen thera­peu­ti­schen Inter­ven­ti­on und Aufklä­rung berück­sich­tigt werden sollte, um zu einer besse­ren Lebens­qua­li­tät der Pati­en­tin­nen beitra­gen zu können.

Die Wissen­schaft­ler führ­ten eine Lite­ra­tur­re­cher­che unter ande­rem in PubMed und Web of Science zwischen März 1974 und März 2021 zur Rolle von Sexu­al­hor­mon­ver­än­de­run­gen und syste­mi­schen Hormon­er­satz­be­hand­lun­gen (SHRT) bei BC-Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten mit ähnli­chen sexu­al­hor­mon­ab­hän­gi­gen Erkran­kun­gen im Zusam­men­hang mit dem DES durch. Die Arbeits­grup­pe selek­tier­te und analy­sier­te 95 Studien.

Die Forscher fanden heraus, dass nicht eine spezi­fi­sche Akti­vi­tät von Östro­ge­nen und Andro­ge­nen, sondern vor allem das homöo­sta­ti­sche Gleich­ge­wicht zwischen ihnen die norma­le Funk­ti­on der Augen­ober­flä­che garan­tiert. Die Meibom­drü­sen stel­len die Haupt­ver­bin­dung zwischen den Sexu­al­hor­mo­nen und dem DES dar.

Andro­ge­ne wirken unter­stüt­zend auf die Lipidqua­li­tät und die Sekre­ti­on der Meibom­drü­sen, und könn­ten gege­be­nen­falls als Augen­trop­fen oder Pflas­ter appli­ziert werden. Östro­ge­ne hemmen hinge­gen die Lipo­ge­ne­se, haben einen nega­ti­ven Einfluss auf die Morpho­lo­gie der Meibom­drü­sen und wirken proin­flamma­to­risch auf der Augen­ober­flä­che, wodurch auch die SHRT zur Ätio­lo­gie der Meibom­drü­sen­dy­s­funk­ti­on beizu­tra­gen scheint.

Die Exper­ten kommen zu dem Schluss, dass die Rolle der Geschlechts­hor­mo­ne bei der Patho­ge­ne­se des DES das Ergeb­nis einer Imba­lan­ce zwischen den schüt­zen­den Andro­gen­ef­fek­ten und den Andro­gen-modu­lie­ren­den Effek­ten von Östro­ge­nen auf die Meibom­drü­sen zu sein scheint.

(tt)

Autoren: Grasso A et al.
Korrespondenz: Antonella Grasso; a.grasso@unicampus.it
Studie: Sex Hormones Related Ocular Dryness in Breast Cancer Women
Quelle: J Clin Med 2021; Jun 14;10(12):2620.
Web: dx.doi.org/10.3390/jcm10122620

html

Aus rechtlichen Gründen (Heilmittelwerbegesetz) dürfen wir die Informationen nur an Fachkreise weitergeben.