Tele­kon­sul­ta­ti­on bei ophthal­mo­lo­gi­schen Notfällen

Gute Erfahrungen während des COVID-19-Lockdowns in Paris

2. November 2020

PARIS (Bier­mann) – Laut einer Arbeits­grup­pe aus Frank­reich kann die Tele­kon­sul­ta­ti­on ernst­haft als ein Weg zur effi­zi­en­ten Rege­lung ophthal­mo­lo­gi­scher Notfäl­le betrach­tet werden. Dies gelte, so die die Autoren einer aktu­el­len Studie, vor allem für Pati­en­ten mit einge­schränk­tem Zugang zu einem Spezialisten.

Die prospek­ti­ve beob­ach­ten­de Kohor­ten­stu­die basier­te auf den ersten 500 Pati­en­ten, die zu Beginn des COVID-19-Lock­down in Paris (Frank­reich) zwischen dem 20.03. und dem 10.04.2020 um eine Notfall-Tele­kon­sul­ta­ti­on baten. Den Studi­en­au­toren zufol­ge ist dies die erste Unter­su­chung, in der der Nutzen einer Notfall-Teleo­ph­thal­mo­lo­gie mittels einer einfa­chen Smart­pho­ne-App oder einem Webbrow­ser sowie einer Webcam zur Rege­lung der notfallo­ph­thal­mo­lo­gi­schen Versor­gung in einer Popu­la­ti­on beur­teilt wird, die plötz­lich nur noch einge­schränk­tem Zugang zu Augen­ärz­ten hat.

In dieser Studie musste jeder Pati­ent, der in einem spezia­li­sier­ten Zentrum in Paris („SOS Œil“) um eine ophthal­mo­lo­gi­sche Notfall­kon­sul­ta­ti­on bat, zunächst einen Termin für eine Tele­kon­sul­ta­ti­on ausma­chen, damit eine Indi­ka­ti­on für eine physi­sche Konsul­ta­ti­on bewer­tet werden konnte. Nur auf ärzt­li­chen Rat hin wurde dann, falls erfor­der­lich, inner­halb eines Tages ein physi­scher Termin vereinbart.

Ziel der Studie war es den Autoren zufol­ge zum einen, die Popu­la­ti­on und die entspre­chen­den Diagno­sen zu beschrei­ben und zum ande­ren das wich­tigs­te Beur­tei­lungs­kri­te­ri­um zu bewer­ten. Letz­te­res bestand in der Fähig­keit der Tele­kon­sul­ta­ti­on, korrekt zu beur­tei­len, wann eine körper­li­che Unter­su­chung für eine gute Diagno­se­stel­lung und Behand­lung bei ophthal­mo­lo­gi­schen Notfäl­len nötig ist. Diese Form der Orga­ni­sa­ti­on habe es Ärzten und Pati­en­ten ermög­licht, best­mög­lich sozia­le bzw. körper­li­che Distanz zu wahren und gleich­zei­tig 3 oder 4 körper­li­che Konsul­ta­tio­nen pro Person zu vermeiden.

Auf 27% der Tele­kon­sul­ta­tio­nen sei ein physi­scher Termin gefolgt. Es gab eine durch­schnitt­li­che Verzö­ge­rung von 4,12 Tagen zwischen dem Auftre­ten von Sympto­men und der Konsul­ta­ti­on, und weni­ger als 1 Tag bei Trau­ma­ta, ober­fläch­li­che Horn­haut­ver­let­zun­gen durch Fremd­kör­per und neuro-ophthal­mo­lo­gi­sche Notfäl­le. Die Studi­en­au­toren berich­ten von einer Sensi­ti­vi­tät von 96% und einer Spezi­fi­tät von 95% für die korrek­te Beur­tei­lung einer Indi­ka­ti­on zur körper­li­chen Unter­su­chung. Es sei bei 1% der Fälle zu Fehl­dia­gno­sen gekom­men, die zu einer verzö­ger­ten Versor­gung führten.

(ac)

Autoren: Bourdon H et al.
Korrespondenz: Hugo Bourdon; bourdonhugo@gmail.com
Studie: Teleconsultation in primary ophthalmic emergencies during the COVID-19 lockdown in Paris: Experience with 500 patients in March and April 2020
Quelle: J Fr Ophtalmol 2020;43(7):577-585.
Web: dx.doi.org/10.1016/j.jfo.2020.05.005

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