Senile Kata­rakt

Eine Katarakt-Operation kann möglicherweise das Demenz-Risiko verringern

1. August 2022

WASHINGTON (Bier­mann) – Visu­el­le Funk­tio­nen sind für ältere Menschen von hoher Bedeu­tung. Eine ameri­ka­ni­sche prospek­ti­ve longi­tu­di­na­le Kohor­ten­stu­die ging der Hypo­the­se nach, dass chir­ur­gi­sche Eingrif­fe zur Verbes­se­rung visu­el­ler Funk­tio­nen mögli­cher­wei­se das Demenz-Risiko bei älte­ren Menschen verrin­gern könnten.

Für diese Analy­se wurden die Daten von Teil­neh­mern der „Adult Chan­ges in Thought-Study“ verwen­det, einer popu­la­ti­ons­ba­sier­ten Kohor­ten­stu­die mit rando­mi­siert ausge­wähl­ten, kogni­tiv unauf­fäl­li­gen Teil­neh­mern. Die Teil­neh­mer der Kohor­ten­stu­die waren mindes­tens 65 Jahre alt, wiesen bei Einschluss keine Demen­z­er­kran­kung auf und wurden zwei­jähr­lich bis zum Eintre­ten einer demen­ti­el­len Erkran­kung (M. Alzhei­mer und vergleich­ba­re demen­ti­el­le Erkran­kun­gen) unter­sucht. In die Analy­se zum Einfluss von ophthal­mo­chiru­gi­schen Eingrif­fen wurden aus diesem Daten­pool die Teil­neh­mer einge­schlos­sen, welche vor Studi­en­ein­schluss eine Kata­rakt oder ein Glau­kom aufwie­sen oder während der Nach­be­ob­ach­tung eine solche Erkran­kung entwi­ckel­ten. Es wurden Daten für einen Zeit­raum zwischen 1994 und 30. Septem­ber 2018 gesam­melt und alle Daten von April 2019 bis Septem­ber 2021 analysiert.

Neben dem Zeit­punkt der Diagno­se von Kata­rakt oder Glau­kom sowie dem Zeit­punkt der Durch­füh­rung einer Opera­ti­on wurden auch mögli­che Demenz-Risi­ko­fak­to­ren und gesund­heits­be­ding­te Varia­blen in die Analy­se einbezogen.

Primä­rer Endpunkt war das Eintre­ten einer Demenz nach den im „Diagnostic and Statis­ti­cal Manual of Mental Disor­ders“ defi­nier­ten Kriterien.
Bei den 3038 in die Studie einge­schlos­se­nen Teil­neh­mern mit einem mitt­le­ren Alter von 74,4 (+/- 6,2) Jahren bei Kata­rakt-Diagno­se handel­te es sich um 1800 Frauen (59%) und 1238 Männer (41%). Die Nach­be­ob­ach­tungs­zeit lag insge­samt bei 23.554 Personenjahren.

Im Vergleich zu den Teil­neh­mern ohne Kata­rakt-Opera­ti­on wiesen Studi­en­teil­neh­mer mit Kata­rakt-Opera­ti­on ein signi­fi­kant redu­zier­tes Risiko einer Demenz­ent­wick­lung auf (Hazard ratio, 0,71; 95% CI 0,62–0,83; P < 0,001). Dies war auch unter Einbe­zie­hung von Fakto­ren wie Schul­bil­dung, Raucher-Anamne­se, Apoli­po­pro­te­in E‑Genotyp, Geschlecht und Alters­grup­pe bei Diagno­se der Kata­rakt der Fall. Glei­che Ergeb­nis­se fanden sich auch in Model­len die für eine lange Liste von mögli­chen Stör­fak­to­ren adjus­tiert wurden.
Eine Glau­kom­ope­ra­ti­on hinge­gen wies keine signi­fi­kan­ten Asso­zia­tio­nen mit dem Demenz­ri­si­ko auf (Hazard ratio 1,08; 95% CI 0,75–1,56; P = 0,68). Für die spezi­el­le Unter­grup­pe von Teil­neh­mern mit Alzhei­mer-Demenz fanden sich ähnli­che Ergebnisse.

Eine Kata­rakt-Opera­ti­on war damit mit einem gerin­ge­ren Demenz-Risiko verge­sell­schaf­tet. Sofern sich dieses in weite­ren Studi­en bestä­ti­gen ließe, könne eine Kata­rakt-Opera­ti­on eine klini­sche Rele­vanz für eine Opera­ti­ons­ent­schei­dung bei älte­ren Menschen mit Demenz­ri­si­ko haben, schlos­sen die Autoren aus ihren Ergeb­nis­sen. (ak)

Autoren: Lee CS et al.
Korrespondenz: leecs2@uw.edu
Studie: Association Between Cataract Extraction and Development of Dementia
Quelle: JAMA Intern Med. 2022 Feb 1;182(2):134-141.
Web: https://doi.org/10.1097/10.1001/jamainternmed.2021.699

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