Schub­för­mig-remit­tie­ren­de Multi­ple Sklerose

Retinale hyperreflektive Foci als schubankündigende Biomarker erkannt

7. Juni 2022

PADUA (Bier­mann) – Die Multi­ple Skle­ro­se (MS) stellt eine Auto­im­mun­erkran­kung dar, bei der akti­vier­te Mikro­glia in der weißen (WM) und grauen Substanz (GM) im Rahmen der ZNS-Entzün­dung eine Schlüs­sel­rol­le spielt. Die Autoren einer aktu­el­len Arbeit haben nun gezeigt, dass eine starke Asso­zia­ti­on zwischen hyper­re­flek­ti­ven Foci (HRF) in der inne­ren Körner­schicht (INL) der Netz­haut und der zere­bra­len Inflamma­ti­on besteht. Die Verfas­ser der Studie nehmen an, dass es sich bei den HRF um akti­vier­te und proli­fe­rie­ren­de reti­na­le Mikro­glia handelt, die Vorbo­ten – im gemein­sa­men immun­pa­tho­lo­gi­schen Prozess – eines neuen Schu­bes bei Pati­en­ten mit einer schub­för­mi­gen-remit­tie­ren­den MS (RRMS) im Früh­sta­di­um zu sein schei­nen, und daher als prognos­ti­sche Biomar­ker in Betracht kommen könnten.

In ihre prospek­ti­ve mono­zen­tri­sche inter­dis­zi­pli­nä­re Studie schlos­sen die Wissen­schaft­ler 80 Pati­en­ten mit RRMS ein. Die Arbeits­grup­pe führte inner­halb von im Mittel 6,3 ±5,1 Mona­ten nach Krank­heits­be­ginn eine neuro­lo­gi­sche Unter­su­chung, eine Lumbal­punk­ti­on, eine 3,0‑T-Scanner-MRT des Gehirns und des Rücken­marks sowie eine Spec­tral-Domain-OCT (zusätz­lich bei 38 alters- und geschlechts­an­ge­pass­ten Kontroll­per­so­nen; [HC]) durch. Die Befun­de der Pati­en­ten wurden im Mittel 43±25 Monate im Hinblick auf „keinen klini­schen oder radio­lo­gi­schen Hinweis für Krank­heits­ak­ti­vi­tät“ (cNEDA; rNEDA) evalu­iert. Ausge­schlos­sen wurden Pati­en­ten mit anamnes­ti­scher oder im MRT/OCT nach­ge­wie­se­ner Optikusneuritis.

Die Forscher ermit­tel­ten, dass die MS-Pati­en­ten im Vergleich zu den HC eine signi­fi­kant höhere Anzahl an HRF in der INL aufwie­sen (19,55±5,65 vs. 13,84±2,57; p<0,001), die zudem mit einem erhöh­ten Volu­men der INL asso­zi­iert war ( 1,21; p<0,001). Des Weite­ren beob­ach­te­ten die Exper­ten, dass das Volu­men der Läsio­nen in der cere­bra­len GM signi­fi­kant mit der Anzahl an HRF in der INL korre­lier­te (p=0,008). Zusätz­lich stell­ten die Forschen­den eine signi­fi­kan­te Verbin­dung zwischen der Anzahl an HRF in der INL und dem cNEDA (p=0,017) sowie dem rNEDA (p=0,002) fest.

(tt)

Autoren: Pengo M et al.
Korrespondenz: Marco Puthenparampil; marco.puthenparampil@unipd.it
Studie: Retinal Hyperreflecting Foci Associate With Cortical Pathology in Multiple Sclerosis
Quelle: Neurol Neuroimmunol Neuroinflamm 2022; May 23;9(4):e1180.
Web: dx.doi.org/10.1212/NXI.0000000000001180

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