Reti­nob­las­tom

Querschnittsanalyse aus 153 Ländern findet keine Geschlechts-Prädilektion

29. Juli 2021

LONDON (Bier­mann) – In einer großen globa­len Stich­pro­be von Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten mit Reti­nob­las­tom hat eine inter­na­tio­nal zusam­men­ge­setz­te Arbeits­grup­pe unter­sucht, ob eine Geschlechts-Prädi­lek­ti­on für diese Krebs­art im Kindes­al­ter besteht. In der Studie, die schät­zungs­wei­se mehr als die Hälfte der neuen Reti­nob­las­tom­pa­ti­en­ten welt­weit im Jahr 2017 umfass­te, konnte jedoch keine Geschlechts-Prädi­lek­ti­on nach­ge­wie­sen werden. Ein im Vergleich zu den Pati­en­tin­nen erhöh­ter Anteil männ­li­cher Pati­en­ten in asia­ti­schen Ländern, insbe­son­de­re in Indien, könnte sich mögli­cher­wei­se auf globa­le Analy­sen ausge­wirkt haben, vermu­ten die Autoren der Studie, und sei wahr­schein­lich eher auf eine geschlechts­spe­zi­fi­sche Diskri­mi­nie­rung beim Zugang zur Versor­gung in diesen Ländern als auf einen biolo­gi­schen Unter­schied zwischen den Geschlech­tern zurückzuführen.

Die Quer­schnitts­ana­ly­se umfass­te 4351 thera­pi­e­nai­ve Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten mit Reti­nob­las­tom aus 153 Ländern, die sich 2017 in 278 Behand­lungs­zen­tren welt­weit vorstell­ten. Das Geschlech­ter­ver­hält­nis (männlich/weiblich) in der Stich­pro­be wurde mittels eines zwei­sei­ti­gen Propor­ti­ons­tests vergli­chen mit dem Geschlech­ter­ver­hält­nis bei der Geburt auf globa­ler Ebene, der wirt­schaft­li­chen Länder­grup­pie­rung, dem Konti­nent und mit ausge­wähl­ten Ländern.

Für die gesam­te Stich­pro­be war das mitt­le­re Reti­nob­las­tom-Geschlechts­ver­hält­nis von 1,20 höher als das gewich­te­te globa­le Geschlech­ter­ver­hält­nis bei der Geburt von 1,07 (p<0,001). Die Analy­se auf Wirtschaftsgruppen‑, Konti­nent- und Länder­ebe­ne zeigte Unter­schie­de im Geschlech­ter­ver­hält­nis in der Stich­pro­be im Vergleich zum Verhält­nis bei der Geburt in Ländern mit gerin­gem oder nied­ri­gem mitt­le­rem Einkom­men (n=1940), 1,23 vs. 1,07 (p=0,019); Asien (n=2276), 1,28 vs. 1,06 (p<0,001); und Indien (n=558), 1,52 vs. 1,11 (p=0,008). Die Sensi­ti­vi­täts­ana­ly­se ohne die Daten aus Indien zeigte, dass die Unter­schie­de für die verblei­ben­de Stich­pro­be (χ2=6,925, korri­giert p=0,025) und für Asien (χ2=5,084, korri­giert p=0,036) signi­fi­kant blie­ben. Ohne Daten aus Asien waren die Unter­schie­de für die verblei­ben­de Stich­pro­be nicht signi­fi­kant (χ2=2,205, p=0,14).

(isch)

Autoren: Fabian ID et al.
Korrespondenz: Ido Didi Fabian; didi@didifabian.com
Studie: Sex, gender, and retinoblastoma: analysis of 4351 patients from 153 countries
Quelle: Eye (Lond) 2021 Jul 16.
Web: https://doi.org/10.1038/s41433-021-01675-y 

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