Reti­nob­las­tom

Intraarterielle Chemotherapie kann die Prognose verbessern

22. Juni 2021

TAOYUAN (Bier­mann) – Das Reti­nob­las­tom, ein aus unrei­fen Netz­haut­zel­len bestehen­der Tumor bei Kindern, führt oftmals zum Tod. Die Autoren einer aktu­el­len Studie haben nun gezeigt, dass die intra­ar­te­ri­el­le Chemo­the­ra­pie (ophthal­mic artery chemo­the­ra­py; OAC), bei der ein Chemo­the­ra­peu­ti­kum über die Arte­ria femo­ra­lis in die Arte­ria ophthal­mi­ca inji­ziert wird, eine ermu­ti­gen­de neue Thera­pie­form darstellt, die zu eine Verbes­se­rung der Über­le­bens- und Bulbu­ser­halt­ra­te führen kann.

Die Wissen­schaft­ler nahmen zwischen 1978 und 2015 157 Pati­en­ten (202 Augen) mit Reti­nob­las­tom in die retro­spek­ti­ve Kohor­ten­stu­die auf. Sie teil­ten die Pati­en­ten nach dem Zeit­punkt der Erst­dia­gno­se in 3 Grup­pen ein: Gruppe 1: Diagno­se vor 1995, Gruppe 2: Diagno­se zwischen 1995–2010, Gruppe 3: Diagno­se nach 2010.

Die Arbeits­grup­pe verglich die klini­schen Befun­de der Grup­pen, einschließ­lich der Sympto­me, der Tumor­aus­brei­tung sowie der Thera­pie­for­men, und analy­sier­te die Über­le­bens- und Bulbu­ser­halt­ra­ten inner­halb jeder Gruppe.

Die Forscher ermit­tel­ten eine Gesamt­mor­ta­li­tät von 24,2%. Die 5‑Jah­res-Gesamt­über­le­bens­ra­te betrug in Gruppe 1 63,4%, in Gruppe 2 73,8% sowie in Gruppe 3 89,1% (p=0,007). Zusätz­lich stell­ten die Exper­ten fest, dass sich das 5‑Jah­res-Über­le­ben konti­nu­ier­lich, sowohl bei unila­te­ra­lem als auch bei bila­te­ra­lem Reti­nob­las­tom, verbes­ser­te (p=0,057 bzw. p=0,015).

Darüber hinaus stell­ten die Ophthal­mo­lo­gen fest, dass Pati­en­ten ohne extrao­ku­lä­rer Ausbrei­tung oder bei einer Diagno­se vor dem 2. Lebens­jahr eine besse­re 5‑Jah­res-Über­le­bens­ra­te aufwie­sen (97,4% bzw. 81,1%). Die Rate an Bulbu­ser­halt verbes­ser­te sich von 8,2% in Gruppe 1, über 14,5% in Gruppe 2 auf 35,1% in Gruppe 3 (p<0,001).

Pati­en­ten, bei denen eine OAC durch­ge­führt wurde, zeig­ten eine Rate an Bulbu­ser­halt von 46,9%, wohin­ge­gen die Rate bei Pati­en­ten ohne OAC nur 6,4% betrug.

Die Autoren resü­mie­ren, dass das natio­na­le Kran­ken­ver­si­che­rungs­pro­gramm in Taiwan die medi­zi­ni­sche Versor­gung der Öffent­lich­keit leich­ter zugäng­lich gemacht hat, wodurch es zu einer frühe­ren Diagno­se und verbes­ser­ter Behand­lung des Reti­nob­las­toms gekom­men war. Die OAC spiele dabei eine bedeu­ten­de Rolle.

(tt)

Autoren: Chen PY et al.
Korrespondenz: Chun-Hsiu Liu; cdeegg@gmail.com
Studie: Retinoblastoma in Taiwan: survival and clinical characteristics
Quelle: Jpn J Ophthalmol 2021; May 4 (online ahead of print)
Web: dx.doi.org/10.1007/s10384-021-00836-6

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