Reti­na­le Nervenfaserschicht

Real-World-Daten zeigen Wichtigkeit einer konsequenten Messung des Augeninnendrucks

15. Juli 2020

DURHAM (Bier­mann) – Ein US-ameri­ka­ni­sches Team ging der Frage nach, welchen Einfluss die Kontrol­le des Augen­in­nen­drucks (IOD) auf die Ände­rungs­ra­ten der reti­na­len Nervenfaserschicht(RNFL)-Dicke hat. Ihr Ergeb­nis: Der Augen­in­nen­druck war signi­fi­kant mit der Rate des progres­si­ven RNFL-Verlusts asso­zi­iert. Augen mit einer stren­ge­ren IOD-Kontrol­le während der Nach­un­ter­su­chun­gen hatten eine viel gerin­ge­re Wahr­schein­lich­keit einer schnel­len Verschlechterung.

In der retro­spek­ti­ven Kohor­ten­stu­die wurden 85.835 IOD-Messun­gen und 60.223 Spec­tral-Domain-Opti­sche-Kohä­renz­to­mo­gra­phien (SD OCT) von 14.790 Augen (7.844 Pati­en­ten) ausge­wer­tet. Die Daten wurden aus dem Duke-Glau­co­ma-Regis­ter extra­hiert, einer großen Daten­bank elek­tro­ni­scher Pati­en­ten­ak­ten von Pati­en­ten mit Glau­kom und Glau­kom­ver­dacht. Einge­schlos­sen wurden alle Pati­en­ten­auf­zeich­nun­gen mit Follow-up von mindes­tens 6 Mona­ten und mindes­tens 2 SD-OCT-Scans und 2 klini­schen Besu­chen mit Goldmann-Applanationstonometrie.

Die Augen wurden nach der Häufig­keit der Besu­che mit einem Augen­in­nen­druck unter­halb der Grenz­wer­te von 21 mmHg, 18 mmHg und 15 mmHg über die Zeit kate­go­ri­siert. Für die globa­le RNFL-Dicke wurden Ände­rungs­ra­ten mit linea­ren gemisch­ten Model­len bestimmt. War die Verän­de­rung lang­sa­mer als –1,0 μm/Jahr wurde die Ände­rungs­ra­te als lang­sam klas­si­fi­ziert, als mode­rat zwischen –1,0 und –2,0 μm/Jahr und als schnell, wenn die Ände­rungs­ra­te schnel­ler als –2,0 μm/Jahr war. Multi­va­ria­ble Model­le wurden hinsicht­lich Alter, Geschlecht, Rasse, Diagno­se, zentra­ler Horn­haut­di­cke, Nach­be­ob­ach­tungs­zeit und Schwe­re­grad der Grund­er­kran­kung ange­passt. Haupt­ziel­grö­ßen waren die Ände­rungs­ra­ten der SD-OCT-RNFL-Dicke entspre­chend dem Level der IOD-Kontrolle.

Die Augen hatten eine mitt­le­re Nach­be­ob­ach­tungs­zeit von 3,5 ±1,9 Jahren. Die durch­schnitt­li­che Ände­rungs­ra­te der RNFL-Dicke betrug –0,68 ±0,59 μm/Jahr. Jeder um 1 mmHg höhere mitt­le­re Augen­in­nen­druck war nach Berück­sich­ti­gung poten­zi­el­ler Confoun­der-Varia­blen mit einem um 0,05 μm/Jahr schnel­le­ren RNFL-Verlust asso­zi­iert (p<0,001). Bei allen Besu­chen während des Follow-ups hatten 41% der Augen mit schnel­ler Progres­si­on einen Augen­in­nen­druck <21 mmHg. 20% der Augen hatten bei allen Besu­chen einen Augen­in­nen­druck von <18 mmHg. Nur 9% wiesen einen Augen­in­nen­druck <15 mmHg bei allen Besu­chen auf.

(isch)

Autoren: Jammal AA et al.
Korrespondenz: Felipe A. Medeiros; felipe.medeiros@duke.edu
Studie: Real-World Impact of Intraocular Pressure Control on Rates of Retinal Nerve Fiber Layer Loss in a Large Clinical Population
Quelle: Ophthalmology 2020; Jun 21.
Web: https://doi.org/10.1016/j.ophtha.2020.06.027

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