Reti­na­le Nerven­fa­ser- und Gangli­en­zell­schicht­di­cke bei menta­len Störungen

OCT-Befunde sind als Biomarker für kognitive Leistungen geeignet

9. März 2022

DUNEDIN (Bier­mann) – Einer aktu­el­len Studie zufol­ge hat die Dicke der reti­na­len Nerven­fa­ser (RNFL)- und der Gangli­en­zell­schicht (GCL) in der OCT das Poten­zi­al, als Biomar­ker für kogni­ti­ve Funk­tio­nen und als Hilfs­mit­tel für die früh­zei­ti­ge Erken­nung von Risi­ko­pa­ti­en­ten für die Alzhei­mer-Krank­heit zu fungie­ren. Laut den Autoren besteht ein enger Zusam­men­hang zwischen nied­ri­gen kogni­ti­ven Leis­tun­gen bereits im Kindes­al­ter und einer verdünn­ten RNFL und GCL im mitt­le­ren Lebensalter.

In ihre longi­tu­di­na­le Kohor­ten­stu­die schlos­sen die Wissen­schaft­ler 865 (50,2% Männer) der 1037 Teil­neh­mer (longi­tu­di­na­le, reprä­sen­ta­ti­ve Geburts­ko­hor­te) der Dunedin Multi­di­sci­pli­na­ry Health and Deve­lo­p­ment Study aus Neusee­land ein, die im Zeit­raum 1972 bis 1973 gebo­ren worden waren. 94% der Perso­nen wurden bis zum 45. Lebens­jahr kontrolliert.

Die Daten­ana­ly­se erfolg­te im Zeit­raum August 2020 bis April 2021. Die Arbeits­grup­pe legte als Haupt­end­punk­te die kogni­ti­ven Leis­tun­gen der Kohor­te, insbe­son­de­re den Intel­li­genz­quo­ti­en­ten (IQ), die Geschwin­dig­keit der Infor­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tung, die Wahr­neh­mungs­er­fah­rung sowie das verba­le Verständ­nis im Alter von 7, 9, 11 sowie 45 Jahren fest. Zusätz­lich bestimm­te die Studi­en­grup­pe die Dicke der RNFL und der GCL bei den Teil­neh­mern im Alter von 45 Jahren.

Die Forscher ermit­tel­ten, dass in der Kohor­te eine Verbin­dung zwischen der Ausdün­nung der RNFL sowie der GCL im mitt­le­ren Lebens­al­ter und vermin­der­ten kogni­ti­ven Fähig­kei­ten – vor allem einem gerin­gen IQ – in der Kind­heit und im Alter von 45 Jahren bestand.

Darüber hinaus beob­ach­te­ten die Exper­ten, dass eine stär­ke­re Geschwin­dig­keits­ab­nah­me der Infor­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tung von Kind­heit an bis ins Erwach­se­nen­al­ter mit einer ausge­dünn­ten RNFL asso­zi­iert war.

Die Autoren beto­nen abschlie­ßend, dass zukünf­ti­ge Studi­en erfor­der­lich sind, um zu über­prü­fen, ob die reti­na­le Ausdün­nung einer Abnah­me der kogni­ti­ven Fähig­kei­ten voraus­geht, und ob andere Fakto­ren dabei rele­vant sind.

(tt)

Autoren: Barrett-Young A et al.
Korrespondenz: Graham A Wilson; graham.wilson@tdh.org.nz
Studie: Associations Between Retinal Nerve Fiber Layer and Ganglion Cell Layer in Middle Age and Cognition From Childhood to Adulthood
Quelle: JAMA Ophthalmol 2022; Feb 10;e216082.
Web: dx.doi.org/10.1001/jamaophthalmol.2021.6082

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