Reti­na­le Mikro­vasku­la­tur bei Tumorpatienten

Prädiktor für Therapieerfolg bei systemischer Bevacizumab-Therapie ermittelt

27. Mai 2022

NAGOYA (Bier­mann) – Die Behand­lung mit antian­gio­ge­nen Substan­zen stellt die Grund­la­ge vieler Krebs­the­ra­pien dar. Bislang wurde jedoch nicht über einen Biomar­ker berich­tet, der die Anti-VEGF-Wirk­sam­keit und deren Toxi­zi­tät vorher­sagt. Eine aktu­el­le Studie hat nun gezeigt, dass es im Rahmen einer erfolg­rei­chen syste­mi­schen Anti-VEGF-Thera­pie zu einer Abnah­me der Durch­mes­ser reti­na­ler Mikro­ge­fä­ße kommt. Den Autoren der Arbeit zufol­ge kann diese Reduk­ti­on – als ein prognos­ti­scher Biomar­ker – ein Anspre­chen des Tumors auf die syste­mi­sche Chemo­the­ra­pie wider­spie­geln, da Angio­ge­ne­se-Inhi­bi­to­ren den Blut­fluss zum Tumor reduzieren.

Die Wissen­schaft­ler schlos­sen 10 Pati­en­ten (mitt­le­res Alter 49 Jahre) mit kolo­rek­ta­lem Karzi­nom in ihre Studie ein und bestimm­ten die Durch­mes­ser der reti­na­len Mikro­ge­fä­ße mithil­fe von Fundus-Aufnah­men einer non-mydria­ti­schen Weit­win­kel­ka­me­ra vor und inner­halb von 1 Stunde nach jeder Infu­si­on mit Beva­ci­zumab (7,5 mg/kg) und Oxali­pla­tin (130 mg/m2). Zusätz­lich erhiel­ten die Pati­en­ten Cape­ci­ta­bin (1000 mg/m2) oral 2‑mal/d über einen Zeit­raum von 2 Wochen, gefolgt von einer 1‑wöchigen Pause. Dieser Zyklus wurde mehr­mals wieder­holt. Die Gruppe evalu­ier­te die Gefäß­durch­mes­ser der reti­na­len Venen (basie­rend auf dem Durch­mes­ser der Papil­le) an 8 belie­bi­gen Stel­len inner­halb des 1,5‑fachen Durch­mes­sers der Papil­le vom äuße­ren Papillenrand.

Die Forscher ermit­tel­ten, dass sich der Durch­mes­ser der Mikro­ge­fä­ße nach einer Infu­si­on bei 5 Pati­en­ten, bei denen eine Tumor­re­gres­si­on von ≥30% auf radio­lo­gi­schen Aufnah­men (parti­el­le Remis­si­on gemäß den RECIST [Respon­se Evalua­ti­on Crite­ria In Solid Tumors]-Kriterien) erreicht wurde, tempo­rär um 14,5±6,5% gegen­über dem Ausgangs­wert verringerte.

Demge­gen­über konsta­tier­ten die Exper­ten, dass die 5 ande­ren Pati­en­ten, die sich als Non-Respon­der in Bezug auf die Chemo­the­ra­pie erwie­sen, nur eine vorüber­ge­hen­de Reduk­ti­on des reti­na­len Gefäß­durch­mes­sers um 8,8±6,2% im Vergleich zum Ausgangs­wert zeig­ten. Dieser Unter­schied zwischen den Grup­pen war statis­tisch signi­fi­kant (p=0,008).

(tt)

Autoren: Mitsuma A et al.
Korrespondenz: Ayako Mitsuma; ayakom@med.nagoyau.ac.jp
Studie: Direct Observation of Retinal Microvessels in Cancer Patients After Systemic Administration of Bevacizumab and Oxaliplatin
Quelle: Cancer Diagn Progn 2022; May 3;2(3):330-335.
Web: dx.doi.org/10.21873/cdp.10113

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