Progres­si­ons­mo­ni­to­ring bei Weitwinkelglaukom

Dicke der retinalen Nervenfaserschicht ist besser geeignet als Gesichtsfeldbefunde

18. Oktober 2021

BIRMINGHAM (Bier­mann) – Bisher besteht kein Konsens darüber, ob die struk­tu­rel­le (mittels OCT) oder die funk­tio­nel­le (mittels Peri­me­trie) Bewer­tung besser geeig­net ist, das Fort­schrei­ten eines Glau­koms zu überwachen.

Eine aktu­el­le Studie hat nun gezeigt, dass sowohl die Para­me­ter der reti­na­len Nerven­fa­ser­schicht­di­cke (RNFLT) als auch die Gesichtsfeld(VF)-Parameter eine Progres­si­on bei unter­schied­li­chen Ausgangs­be­fun­den des primä­ren Offen­win­kel­glau­koms (POWG) detek­tie­ren können. Mithil­fe der RNFLT kann jedoch beson­ders bei Augen mit okulä­rer Hyper­ten­si­on (OHT) oder mit allei­ni­gen glau­kom­a­tö­sen Gesichts­feld (GVF)-Defekten im Ausgangs­be­fund eine Progre­di­enz siche­rer erkannt werden als mit VF-Befun­den, so das Resü­mee der Autoren.

Die Wissen­schaft­ler führ­ten eine Sekun­där­ana­ly­se aus Daten­sät­zen zu 194 Pati­en­ten (194 Augen) der Diagnostic Inno­va­ti­on in Glau­co­ma Study (DIGS) sowie der Afri­can Descent and Glau­co­ma Evalua­ti­on Study (ADAGES) mit ≥9 Nach­un­ter­su­chun­gen durch.

Die Arbeits­grup­pe klas­si­fi­zier­te jedes Auge entspre­chend des klini­schen Ausgangs­be­fun­des: OHT (n=39), allei­ni­ge glau­kom­a­tö­se Opti­kus­neu­ro­pa­thie (GON; n=60), allei­ni­ger GVF-Defekt (n=39) sowie eindeu­ti­ges Glau­kom (GON und GVF-Defekt; n=56).

Nach­fol­gend erfass­ten die Forschen­den eine Progres­si­on mithil­fe einer einfa­chen linea­ren Regres­si­on der gesam­ten und sekto­ri­el­len Werte der mitt­le­ren RNFLT-Abwei­chung (RNFLT-MD) und der VF-Abwei­chung (VF-MD).

Der Anteil an Augen, der mittels RNFLT-MD und VF-MD als progre­dient (posi­ti­ve Rate) erkannt wurde, wurde inner­halb jeder Klas­si­fi­ka­ti­on verglichen.

Die Forscher stell­ten bei GON und eindeu­ti­gem Glau­kom bei beiden Para­me­tern in etwa sich entspre­chen­de Werte fest.

Demge­gen­über erwies sich die posi­ti­ve Rate, die anhand der gesam­ten RNFLT-MD ermit­telt wurde, bei Augen mit OHT um 33,3% und bei Augen mit GVF-Defek­ten um 30,8% signi­fi­kant höher im Vergleich zur gesam­ten VF-MD. Dieser Befund blieb im infero­tem­po­ra­len Sektor konstant, wohin­ge­gen im supero­tem­po­ra­len Sektor für beide Para­me­ter wieder ähnlich posi­ti­ve Werte gemes­sen wurden.

(tt)

Autoren: Abu SL et al.
Korrespondenz: Lyne Racette; Iracette@uabmc.edu
Studie: Detecting Progression in Patients With Different Clinical Presentations of Primary Open-angle Glaucoma
Quelle: J Glaucoma 2021; Sep 1;30(9):769-775.
Web: dx.doi/org/10.1097/IJG.0000000000001843

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