Primä­res Offenwinkelglaukom

Saisonale Schwankung des Augeninnendrucks in japanischer Beobachtungsstudie

30. November 2020

TOKIO (Bier­mann) – In einer japa­ni­schen retro­spek­ti­ven Kohor­ten­stu­die war im Winter der Augen­in­nen­druck (IOP) sowohl bei gesun­den als auch bei Augen mit primä­rem Offen­win­kel­glau­kom (POAG) höher als im Sommer. Der vorüber­ge­hen­de Rück­gang des Augen­in­nen­drucks im Sommer, anstel­le eines konstan­ten Augen­in­nen­drucks während des ganzen Jahres, könnte eine Glau­kom­pro­gres­si­on verhin­dern, mutma­ßen die Studienautoren.

Zur Erken­nung saiso­na­ler IOP-Schwan­kun­gen und zur Bewer­tung, ob diese saiso­na­len Schwan­kun­gen die Ausdün­nung der reti­na­len Nerven­fa­ser­schicht (RNFL) bei Augen mit POAG beein­flus­sen, schlos­sen die Ophthal­mo­lo­gen gesun­de Proban­den sowie POAG-Pati­en­ten, die nur topi­sche Medi­ka­men­te verwen­de­ten, in die Beob­ach­tungs­stu­die ein.

Mit der Kaplan-Meier-Über­le­bens­ana­ly­se wurden die kumu­la­ti­ven Inzi­denz­wahr­schein­lich­kei­ten der RNFL-Ausdün­nung zwischen verschie­de­nen saiso­na­len IOD-Fluk­tua­ti­ons­grup­pen vergli­chen. Mittels Cox-Regres­si­on mit Anpas­sun­gen für poten­zi­el­le Stör­fak­to­ren wurde der Zusam­men­hang zwischen saiso­na­len Schwan­kun­gen des IOP und der RNFL-Ausdün­nung bewer­tet. Ziel­pa­ra­me­ter der Unter­su­chung waren die IOP-Fluk­tua­ti­ons­ra­te, berech­net aus Winter- und Sommer-IOPs sowie die RNFL-Ausdün­nung, bestimmt durch die ereig­nis­ba­sier­te Analy­se mit hoch­auf­lö­sen­der opti­scher Kohä­renz­to­mo­gra­phie (OCT).

Insge­samt 12.686 gesun­de Augen und 179 Augen von 179 POAG-Pati­en­ten zeig­ten im Winter einen signi­fi­kant höhe­ren Augen­in­nen­druck als im Sommer (normal 13,2 ±3,0 vs. 12,5 ±2,9 mmHg, p<0,001; POAG 13,1 ±2,7 vs. 11,8 ±2,3 mmHg, p<0,001). Bei Pati­en­ten mit POAG betrug das Durch­schnitts­al­ter bei der ersten OCT 55,1 ±11,7 Jahre und die Nach­be­ob­ach­tungs­dau­er 98,4 ±26,4 Monate. Die mitt­le­re Abwei­chung (MD) beim ersten Besuch, die MD-Stei­gung und die RNFL-Ausdün­nungs­ra­te betru­gen –2,2 ±3,4 dB, –0,07 ±0,44 dB/Jahr bzw. –0,44 ±0,88 μm/Jahr.

Während des Unter­su­chungs­zeit­raums waren 85 Augen (47,5%) von einer Progres­si­on der RNFL-Ausdün­nung betrof­fen. Die Kaplan-Meier-Analy­se zeigte, dass eine hohe saiso­na­le IOP-Fluk­tua­ti­ons­ra­te die RNFL-Ausdün­nung signi­fi­kant unter­drück­te (p<0,05 nach Log-Rank-Test). Nach Berei­ni­gung um Stör­fak­to­ren in der Cox-Analy­se zeigte die saiso­na­le IOP-Fluk­tua­ti­ons­ra­te immer noch einen signi­fi­kant nega­ti­ven Zusam­men­hang mit der RNFL-Ausdün­nung (Hazard Ratio, 0,98; 95%-Konfidenzintervall 0,96–0,99, p=0,005).

(isch)

Autoren: Terauchi R et al.
Korrespondenz: Ryo Terauchi; r.terauchi0813@gmail.com.
Studie: Seasonal fluctuation in intraocular pressure and retinal nerve fiber layer thinning in primary open-angle glaucoma
Quelle: Ophthalmol Glaucoma 2020; Nov 23:S2589-4196(20)30305-7.
Web: https://doi.org/10.1016/j.ogla.2020.11.005

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