Primä­res Offenwinkelglaukom

Herzratenvariabilität beeinflusst Progressionsrisiko

23. Mai 2022

WUHAN (Bier­mann) – Bei der Herz­ra­ten­va­ria­bi­li­tät (HRV) handelt es sich um einen Wert, der die Anpas­sungs­fä­hig­keit des Herzens an innere und äußere Reize darstellt. Dieser Para­me­ter zeigt an, inwie­weit das auto­no­me Nerven­sys­tem (ANS; Sympa­thi­kus/­Pa­ra­sym­pa­thi­cus-Verhält­nis) Vorgän­ge im Körper posi­tiv oder nega­tiv beein­flusst. Wie die Autoren einer aktu­el­len Arbeit nun schrei­ben, weisen Pati­en­ten mit primä­rem Offen­win­kel­glau­kom (POWG) und nied­ri­ger HRV, die einer Dysfunk­ti­on des ANS mit sympa­thi­scher Domi­nanz entspricht, eine schnel­le­re Progres­si­on des Glau­koms auf als jene mit hoher HRV.

Die Wissen­schaft­ler nahmen 40 Pati­en­ten mit POWG in ihre retro­spek­ti­ve Studie auf und unter­such­ten sie über einen Zeit­raum von 3 Jahren. Die Arbeits­grup­pe über­prüf­te bei allen Pati­en­ten die HRV und teilte sie in die Gruppe mit redu­zier­ter (n=20) und erhöh­ter HRV (n=20), gemäß dem Wert der Stan­dard­ab­wei­chung (nach oben oder unten) der quali­fi­zier­ten Normal-zu-Normal Inter­val­le ([SDNN]; Indi­ka­tor für HRV) ein. Zusätz­lich eruier­ten und vergli­chen die Forschen­den mithil­fe der Befun­de der Gesichts­feld­un­ter­su­chung (VF) und der Dicke der reti­na­len Nerven­fa­ser­schicht (RNFL; OCT-Befun­de) die Progres­si­onra­te der Glau­kom­schä­den zwischen beiden Gruppen.

Die Forscher ermit­tel­ten, dass sich die Ausdün­nungs­ra­te der RNFL in der Gruppe mit gerin­ger HRV im Vergleich zu derje­ni­gen mit hoher HRV als signi­fi­kant schnel­ler erwies (1,44±1,58 vs. 0,29±0,56 µm/Jahr; p=0,00). Zudem wurde dieses Ergeb­nis der Pati­en­ten mit redu­zier­ter HRV beglei­tet von stär­ke­ren Fluk­tua­tio­nen des Augen­in­nen­dru­ckes (p=0,04), vermin­der­ten diasto­li­schen und mitt­le­ren Blut­druck­wer­ten (p=0,01; p=0,04) sowie einem herab­ge­setz­ten mitt­le­ren okulä­ren Perfu­si­ons­druck (p=0,04).

Ebenso stell­ten die Glau­kom-Spezia­lis­ten fest, dass die Inzi­denz für zentra­le Defek­te im VF bei den Pati­en­ten mit nied­ri­ger HRV signi­fi­kant gestei­ger­ter ausfiel als bei denje­ni­gen mit hoher HRV (65 vs. 30%; p=0,03). Gleich­wohl ergab die linea­re Regres­si­ons­ana­ly­se, dass die SDNN signi­fi­kant mit der Verlustra­te der RNFL-Dicke korre­lier­te (p=0,01).

(tt)

Autoren: Liu B et al.
Korrespondenz: Hong Zhang; tjyksys@163.com
Studie: Effect of Autonomic Nervous System Dysfunction on the Progression of Primary Open-Angle Glaucoma
Quelle: Int J Gen Med 2022; May 2;15:4565-4573.
Web: dx.doi.org/10.2147/IJGM.S362275

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