Okulä­re Syphi­lis und Anstieg der Infektionszahlen

Frühzeitige Diagnose und Therapie sind essenziell

20. September 2022

BOSTON (Bier­mann) – Die Syphi­lis (Lues) bezeich­net eine syste­mi­sche Infek­ti­ons­er­kran­kung mit dem bakte­ri­el­len Erre­ger Trepo­n­e­ma palli­dum, deren Inzi­denz- und Präva­lenz­ra­ten in den voran­ge­gan­ge­nen 10 Jahren massiv ange­stie­gen sind. Eine okulä­re Syphi­lis (OS) stellt zwar eine selte­ne, jedoch poten­zi­ell visus­be­dro­hen­de Mani­fes­ta­ti­on mit viel­fäl­ti­gen Befun­den dar. Die Autoren einer aktu­el­len Veröf­fent­li­chung haben nun wich­ti­ge klini­sche Charak­te­ris­ti­ka bei Pati­en­ten mit einer OS gesam­melt, um das Bewusst­sein für dieses Krank­heits­bild zu schär­fen und eine früh­zei­ti­ge Diagno­se und Behand­lung zu unterstützen.

Die Wissen­schaft­ler über­prüf­ten retro­spek­tiv im Zeit­raum 2010 bis 2019 medi­zi­ni­sche Aufzeich­nun­gen aus einem städ­ti­schen Kran­ken­haus (Boston Medi­cal Center [BMC]; USA) zu 229 Pati­en­ten, bei denen mittels posi­ti­ver Serum- und/oder Liquor-Trepo­n­e­ma-Labor­er­geb­nis­sen eine syste­mi­sche Syphi­lis diagnos­ti­ziert wurde. Die Arbeits­grup­pe evalu­ier­te Para­me­ter in Bezug auf das Alter und Geschlecht, die ethni­sche Zuge­hö­rig­keit, das Sehver­mö­gen (VA), den HIV-Status, den Anteil an Männern, die Sexu­al­ver­kehr mit Männern (MSM) haben sowie den Drogen- und Alkoholkonsum.

Die Forscher ermit­tel­ten, dass bei 40 der 229 Pati­en­ten (53 Augen; 17,5%) eine OS vorlag. Diese Kohor­te umfass­te einen hohen Anteil an Männern (72,5%), an Teil­neh­mern mit schwar­zer Haut­far­be (65,0%) und an Perso­nen im Alter ≥45 Jahren (75,0%).

Demge­gen­über stell­ten die Exper­ten einen gerin­ge­ren Anteil an Perso­nen – im Vergleich zu Syphi­lis­pa­ti­en­ten ohne Augen­be­tei­li­gung – mit posi­ti­vem HIV- (17,5%) bzw. MSM-Status (5,0%) sowie mit Drogen- (15,0%) und Alko­hol­kon­sum (17,5%) fest.

Im Hinblick auf die okulä­ren Befun­de konsta­tier­ten die Ophthal­mo­lo­gen eine VA ≥0,5 dezi­mal bei 50,94% der Pati­en­ten, eine nicht granu­lo­ma­tö­se ante­rio­re Uvei­tis als Erst­be­fund in 50,95% der Fälle sowie eine poste­rio­re Betei­li­gung bei 49,1% der Perso­nen . Zu den eher selte­nen Befun­den, die mit einer VA <0,1 dezi­mal asso­zi­iert waren, zähl­ten ein neovasku­lä­res Glau­kom (5,7%), eine Papil­li­tis (7,5%), eine Vasku­li­tis (5,7%) sowie eine Abla­tio (5,7%).

(tt)

Autoren: Tam EK et al.
Korrespondenz: Emily K Tam; kayi.tam@bmc.org
Studie: Ocular syphilis resurgence in an urban underserved community in the United States
Quelle: Int J Ophthalmol 2022; Aug 18;15(8):1357-1362.
Web: dx.doi.org/10.18240/ijo.2022.08.20

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