Okulä­re Syphi­lis mit neurooph­thal­mo­lo­gi­schen Befunden

Differenzialdiagnostische Berücksichtigung kann Visusverlust vermeiden

10. Mai 2022

ANKARA (Bier­mann) – Bei der Syphi­lis handelt es sich um eine Infek­ti­ons­krank­heit, die durch die Spiro­chä­te Trepo­n­e­ma palli­dum verur­sacht wird. Da sich die ophthal­mo­lo­gi­schen Befun­de der okulä­ren Syphi­lis sehr viel­fäl­tig präsen­tie­ren können, sollte in jedem Fall unge­klär­ter neurooph­thal­mo­lo­gi­scher Befun­de diese Erkran­kung in Betracht gezo­gen werden, zumal eine geeig­ne­te Thera­pie (paren­te­rales Peni­cil­lin) zur Verfü­gung steht, um das Sehver­mö­gen zu erhal­ten. Zu dieser Schluss­fol­ge­rung kommen Dr. Gözde Orman und Dr. Gülten Sungur von dem Health Science Univer­si­ty Ankara Rese­arch and Trai­ning Hospi­tal (Türkei) in einer gemein­sa­men Veröffentlichung.

Die Wissen­schaft­ler über­prüf­ten retro­spek­tiv medi­zi­ni­sche Aufzeich­nun­gen zu 13 Pati­en­ten mit syphi­li­ti­scher Opti­kus­neu­ro­pa­thie (SON). Die Arbeits­grup­pe evalu­ier­te alle ophthal­mo­lo­gi­schen Befun­de sowie die Ergeb­nis­se der trepo­n­e­ma­len (Trepo­n­e­ma-palli­dum-Häma­g­glu­ti­na­ti­ons-Assay [TPHA]; Fluo­res­zenz-Trepo­n­e­ma-Anti­kör­per-Absorp­ti­ons­test [FTA-Abs]) und nichttre­po­n­e­ma­len (Vene­real Dise­a­se Rese­arch Labo­ra­to­ry Test [VDRL]; Rapid Plasma Reagin Test [RPR]) Laboruntersuchungen.

Die Forscher ermit­tel­ten, dass 9 der 13 Pati­en­ten (69,2%) neben der Syphi­lis zusätz­li­che Komor­bi­di­tä­ten wie bspw. aufgrund des huma­nen Immun­de­fi­zi­enz-Virus (HIV) aufwiesen.

Des Weite­ren stell­ten die Ophthal­mo­lo­gen fest, dass sich die SON bei einem Pati­en­ten als bila­te­ra­le Retro­bul­bär­neu­ri­tis darstell­te, während in 12 Fällen (17 Augen) eine ante­rio­re Opti­kus­neu­ri­tis vorlag.

Darüber hinaus konsta­tier­ten die Exper­ten, dass sich bei 10 Pati­en­ten (76,9%) neben der SON eine Uvei­tis zeigte. Zudem diagnos­ti­zier­ten die Forschen­den bei 4 Augen (16,6%) subre­ti­na­le Flüs­sig­keit, wohin­ge­gen sie bei 3 Augen (12,5%) ein zysto­i­des Maku­la­ö­dem beobachteten.

Die Autoren empfeh­len abschlie­ßend bei allen Pati­en­ten mit Opti­kus­neu­ro­pa­thie und Uvei­tis ein Syphi­lis-Scree­ning in der klini­schen Routi­ne­pra­xis durch­zu­füh­ren, um die präsum­ti­ve Diagno­se einer okulä­ren Syphi­lis zeit­nah zu verifizieren.

(tt)

Autoren: Orman G et al.
Korrespondenz: Gözde Orman; gozdeerkan@hotmail.com
Studie: Ophthalmologic Assesment of Patients with Syphilitic Optic Neuropathy
Quelle: Ocul Immunol Inflamm 2022; Apr 20:1-8.
Web: dx.doi.org/10.1080/09273948.2022.2046791

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