Okulä­re Leishmaniose

Notwendigkeit intensiver ophthalmologischer Betreuung

14. Juni 2021

ABERDEEN  Die Leish­ma­nio­se ist eine welt­weit bei Menschen und Tieren vorkom­men­de Infek­ti­ons­krank­heit, die durch obli­gat intra­zel­lu­lä­re Para­si­ten hervor­ge­ru­fen wird und durch die Sand­mü­cke als Über­trä­ger auch in Deutsch­land Einzug findet. Die Inzi­denz wird auf 1 Milli­on Fälle pro Jahr geschätzt.

Eine aktu­el­le Studie hat nun gezeigt, dass die selte­ne okulä­re Leish­ma­nio­se (OL) unbe­han­delt zu schwe­ren visus­be­dro­hen­den Folgen führen kann.

Im Rahmen des syste­ma­ti­schen Reviews führ­ten die Wissen­schaft­ler eine Lite­ra­tur­re­cher­che durch, und ermit­tel­ten 57 Publi­ka­tio­nen, in denen Fälle von OL beschrie­ben worden waren. Folgen­de okulä­re Struk­tu­ren waren betrof­fen: die okulä­re Adnexe (26 Pati­en­ten), die Orbita (1 Pati­ent), die Retina (7 Pati­en­ten), die Uvea (18 Pati­en­ten) sowie die Cornea (6 Patienten).

Die Forscher stell­ten fest, dass die OL der Augen­li­der zwar leicht zu behan­deln war, jedoch oftmals falsch diagnos­ti­ziert wurde, und unbe­han­delt zu chro­ni­schen Proble­men führte.

Weiter­hin fand die Arbeits­grup­pe heraus, dass sich reti­na­le Verän­de­run­gen – in Form sich selbst auflö­sen­der Blutun­gen – sekun­där bei einer Throm­bo­zy­to­pe­nie entwickelten.

Bei der OL-beding­ten Uvei­tis iden­ti­fi­zier­ten die Exper­ten 2 Haupt­ur­sa­chen: Zum einen eine aktive Leish­ma­nio­se-Infek­ti­on bei immun­sup­pri­mier­ten Pati­en­ten und zum ande­ren ein Immun­re­kon­sti­tu­ti­ons-Syndrom, bei dem es zu einer über­schie­ßen­den Entzün­dungs­re­ak­ti­on nach Beginn einer inten­si­ven Thera­pie gekom­men war.

Die Horn­haut­be­tei­li­gung zeigte im Allge­mei­nen einen aggres­si­ven Verlauf, der häufig unbe­han­delt zu einer Horn­haut-Perfo­ra­ti­on führte, wohin­ge­gen ameri­ka­ni­sche Autoren über Fälle von chro­ni­schen, indo­len­ten, inter­s­ti­ti­el­len Kera­tit­i­den berichteten.

Die Medi­zi­ner ermit­tel­ten, dass topi­sche Corti­cos­te­ro­ide bei OL-beding­ter Kera­ti­tis von gerin­gem Nutzen waren, und syste­mi­sche antileish­ma­nia­le Thera­peu­ti­ka die Eckpfei­ler der Behand­lung darstellten.

Dage­gen waren Corti­cos­te­ro­ide ± syste­mi­sche Antileish­ma­nia­li­ka bei OL-beding­ter Uvei­tis unerlässlich.

Die Autoren resü­mie­ren, dass durch die früh­zei­ti­ge Diagno­se der OL, eine inten­si­ve Thera­pie sowie eine sorg­fäl­ti­ge Nach­sor­ge gute Ergeb­nis­se erreicht werden können.

(tt)

Autoren: Mignot G et al.
Korrespondenz: Guillaume Mignot; guillaume.mignot@nhs.net
Studie: Ocular Leishmaniasis - A systematic review
Quelle: Indian J Ophthalmol 2021; May;69(5):1052-1060.
Web: dx.doi.org/10.4103/ijo.IJO_2232_20

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