Okulä­re Kompli­ka­tio­nen nach COVID-19-Impfung

Review präsentiert Überblick über klinische 1-Jahres-Daten

1. August 2022

CHICAGO (Bier­mann) – In einer aktu­el­len Über­sichts­ar­beit haben deren Autoren – nach einer Lite­ra­tur­re­cher­che in PubMed – 58 Arti­kel (94 Pati­en­ten; Kasu­is­ti­ken und retro­spek­ti­ve Studi­en) einge­schlos­sen, in denen uner­wünsch­te Augen­ma­ni­fes­ta­tio­nen nach einer COVID-19-Impfung (häufigs­te Impf­stof­fe: mRNA [n=55, BioNTech/Pfizer]; Vektor [n=20, Astra­Ze­ne­ca]) im Zeit­raum Dezem­ber 2020 bis Dezem­ber 2021 beschrie­ben wurden.

Die Wissen­schaft­ler teil­ten die Inhal­te der Arbei­ten in verschie­de­ne Mani­fes­ta­ti­ons­grup­pen auf. Die wich­tigs­ten Diagno­sen und mögli­che Mecha­nis­men bzw. Ursa­chen wurden vorge­stellt und umfass­ten unter anderem:

Die erste Gruppe bilden demnach Orbita sowie reti­na­le Gefäße (7 Berich­te; n=8) mit Throm­bo­se der Vena ophthal­mi­ca supe­ri­or und Sinus-caver­no­sus-Throm­bo­se bei Tolosa-Hunt-Syndrom bzw. reti­na­ler Zentral­ve­nen- bzw. Venen­ast­ver­schluss. Als Ursa­che nennen die Autoren des Reviews einen hyper­ko­agu­la­ti­ven Zustand mit impf­stoff­in­du­zier­ter throm­bo­ti­scher Throm­bo­zy­to­pe­nie (VITT) aufgrund hoher Anti­kör­per­spie­gel gegen Thrombozytenfaktor-4-Polyanion-Komplex.

Die zweite Mani­fes­ta­ti­ons­grup­pe betrifft die Uvea (14 Berich­te; n=34), meist erst nach 2. Impfung (häufig mRNA). Zu beob­ach­ten sind laut dem Review hier die Erst­dia­gno­se bzw. Rezi­di­ve bekann­ter nichtinfektiöser/infektiöser Uvei­tis, Choro­idi­tis, Vogt-Koya­nagi-Harada-Syndrom, akute Netz­haut­ne­kro­se und akute zonale okkul­te äußere Reti­no­pa­thie (AZOOR). Als Ursa­chen gelten eine impf­stoff­be­ding­te Uvei­tis mit Typ-III-Über­emp­find­lich­keits­re­ak­ti­on und Anti­gen-Anti­kör­per-Komple­xen im Kammer­was­ser und/oder impf­stoff­in­du­zier­te Typ-I-Inter­fe­ron-Sekre­ti­on durch Akti­vie­rung von RNA-Sensor­mo­le­kü­len durch den mRNA-Impfstoff.

Die Kornea bildet die 3. Gruppe von Mani­fes­ta­tio­nen (11 Berich­te; n=15) mit Absto­ßun­gen von Horn­haut­trans­plan­ta­ten. Dazu kommt es laut den Review-Autoren durch eine Induk­ti­on der Expres­si­on des Haupt-Histo­kom­pa­ti­bi­li­täts-Komple­xes (MHC) und einen immu­no­lo­gi­schen Angriff gegen die Spen­der­zel­len aufgrund der Impfung.

Als 4. Mani­fes­ta­ti­ons­grup­pe nennen die Wissen­schaft­ler die Retina (12 Berich­te; n=14) mit akuter maku­lä­rer Neuro­re­ti­no­pa­thie ([AMN]; nur junge Frauen unter Kontra­zep­ti­va-Thera­pie). Dieser zugrun­de liegt mögli­cher­wei­se eine durch einen entzün­dungs­för­dern­den Zustand nach Impfung sich verstär­ken­de prothrom­bo­ti­sche Wirkung der Kontra­zep­ti­va mit Ischä­mie im tiefen Kapil­lar­ple­xus und Läsio­nen in den äuße­ren reti­na­len Schich­ten sowie Unter­bre­chung der Ellipsoid-Zone.

(tt)

Autoren: Haseeb AA et al.
Korrespondenz: Abid A Haseeb; haseeb2@uic.edu
Studie: Ocular Complications Following Vaccination for COVID-19: A One-Year Retrospective.
Quelle: Vaccines (Basel) 2022; Feb 21;10(2):342.
Web: dx.doi.org/10.3390/vaccines10020342

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