Okulä­re Hypertension

Diagnose wird oftmals irrtümlich gestellt

25. Februar 2022

AGROHA (Bier­mann) – Eine aktu­el­le Studie hat gezeigt, dass in der klini­schen Praxis die Diagno­se einer okulä­ren Hyper­ten­si­on (OHT) aufgrund eines erhöh­ten Augen­in­nen­dru­ckes (IOD) häufig fälsch­lich gestellt wird, wenn keine evidenz­ba­sier­te Unter­su­chun­gen durch­ge­führt werden. Laut den Autoren ist es erfor­der­lich, bei der IOD-Messung Fakto­ren wie bspw. die zentra­le Horn­haut­di­cke (CCT) zu berück­sich­ti­gen sowie die zugrun­de liegen­den Ursa­chen für den erhöh­ten IOD zu eruieren.

Die Wissen­schaft­ler über­prüf­ten im Zeit­raum Januar 2019 bis März 2020 retro­spek­tiv medi­zi­ni­sche Aufzeich­nun­gen zu 276 Pati­en­ten, die mit der Diagno­se einer OHT oder eines nicht näher bezeich­ne­ten Glau­koms in die Glau­kom­kli­nik eines Lehr­kran­ken­hau­ses in Nord­in­di­en über­wie­sen wurden.

Als Einschluss­kri­te­ri­en in die Studie legte die Arbeits­grup­pe einen IOD ≥22 mmHg sowie eine unauf­fäl­li­ge Papil­le und reti­na­le Nerven­fa­ser­schicht­di­cke fest.

Mithil­fe eines algo­rith­mi­schen klini­schen Ansat­zes, der unter ande­rem eine gonio­sko­pi­sche Unter­su­chung, eine Applana­ti­ons­to­no­me­trie nach Gold­mann (GAT) sowie eine Pachy­me­trie beinhal­te­te, wurde die primär ange­nom­me­ne Diagno­se für den erhöh­ten IOD – falls erfor­der­lich – geän­dert, und der Anteil an Pati­en­ten mit irrtüm­lich vermu­te­ter OHT berechnet.

Aus Unter­la­gen der über­wei­sen­den Ärzte stell­te die Studi­en­grup­pe fest, dass der IOD bei 263 Pati­en­ten (95%) mithil­fe der Non-Conta­ct- oder Schiötz-Metho­de bestimmt, in nur 7 Fällen (2,5%) gonio­sko­piert und bei 61 Pati­en­ten (22%) die CCT gemes­sen wurde.

Die Forscher ermit­tel­ten, dass 44 der 276 Pati­en­ten (16%) einen norma­len IOD <22 mmHg in der GAT aufwie­sen. Des Weite­ren beob­ach­te­ten die Glau­kom­spe­zia­lis­ten, dass in 97 Fällen (35%) der erhöh­te IOD aufgrund eines engen Kammer­win­kels auftrat. Darüber hinaus konsta­tier­ten die Exper­ten, dass die CCT bei 39 Pati­en­ten (14%) >550 µm lag.

Die Autoren fassen zusam­men, dass der Anteil an Pati­en­ten mit fehl­dia­gnos­ti­zier­ter OHT 70% betrug, von denen bei 104 Pati­en­ten (37%) ein Engwin­kel­glau­kom vorlag. Durch eine umfas­sen­de klini­sche Unter­su­chung mit geeig­ne­ten Über­prü­fungs­me­tho­den könnte der Anteil stark verrin­gert werden.

(tt)

Autoren: Rewri P et al.
Korrespondenz: Parveen Rewri; drparveenrewri@gmail.com
Studie: Erroneous assumption of ocular hypertension in patients with elevated intraocular pressure
Quelle: Indian J Ophthalmol 2022; Feb;70(2):564-568.
Web: dx.doi.org/10.4103/ijo.IJO_938_21

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