Offen­win­kel­glau­kom und Rück­ruf des CyPass-Micro-Stents

Histologie beweist Bildung eines Fremdkörpergranuloms

6. September 2022

DORTMUND (Bier­mann) – Der CyPass-Micro-Stent, der in den supra­choro­ida­len Raum implan­tiert wird, wurde aufgrund einer erheb­li­chen Verrin­ge­rung der kornea­len Endo­thel­zell­dich­te (EZD) – nach Migra­ti­on des Implan­ta­tes in die Vorder­kam­mer – und damit verbun­de­nen Sicher­heits­be­den­ken in der 5‑Jah­res-Analy­se der COMPASS-XL-Studie vom Markt genom­men (August 2018). Die Autoren einer aktu­el­len Arbeit haben nun nach einer Unter­su­chung explan­tier­ter Implan­ta­te gezeigt, dass das (als biokom­pa­ti­ble ange­se­he­ne) Mate­ri­al Poly­imid zu einem histo­lo­gisch veri­fi­zier­ten Fremd­kör­per­gra­nu­lom mit Obli­te­ra­ti­on und Einkaps­lung des Stents geführt hat, während kein Zusam­men­hang mit der Art des Glau­koms, der Anzahl voran­ge­gan­ge­ner Eingrif­fe oder einer länge­ren post­ope­ra­ti­ven Entzün­dungs­re­ak­ti­on gefun­den wurde.

In ihre retro­spek­ti­ve Fall­se­rie schlos­sen die Wissen­schaft­ler 11 Pati­en­ten (14 Augen; 10 pseu­do­phak; 4 mit voran­ge­gan­ge­nen glau­kom­chir­ur­gi­schen Inter­ven­tio­nen; mitt­le­res Alter 62,9 Jahre; 7 Männer) mit leich­tem bis mittel­schwe­rem Offen­win­kel­glau­kom (Primä­res-OWG n=8; Pseu­do­ex­fo­li­a­ti­ons-OWG n=2; Normal­druck-OWG n=1) ein, bei denen im Mittel 3,7 Jahre nach Implan­ta­ti­on des CyPass eine Explan­ta­ti­on erfolgte.

Die Arbeits­grup­pe unter­such­te den Augen­in­nen­druck (IOD) und die kornea­le EZD zum Zeit­punkt der Im- und Explan­ta­ti­on des Stents sowie die Histopa­tho­lo­gie der explan­tier­ten Implantate.

Die Forscher ermit­tel­ten, dass sich der IOD von 18,57±5,27 mmHg zum Zeit­punkt der CyPass-Implan­ta­ti­on auf 14,78 ±3,32 mmHg zum Zeit­punkt der Explan­ta­ti­on verrin­ger­te (p=0,037). Demge­gen­über konsta­tier­ten die Glau­kom­ex­per­ten eine Reduk­ti­on der kornea­len EZD von 1843,67±421,81 auf 932,92±412,86 Zellen/mm2 bei der Explan­ta­ti­on des Micro-Stents (Abnah­me um 50,60%; p<0,01).

Darüber hinaus stell­ten die Forschen­den im Rahmen der histo­lo­gi­schen Begut­ach­tung fest, dass eine fibrö­se Obli­te­ra­ti­on des CyPass in Verbin­dung mit einer chro­ni­schen granu­lo­ma­tö­sen Inflamma­ti­on mit Riesen­zell­m­a­kro­pha­gen vorlag, deren Befun­de mit denje­ni­gen eines Fremd­kör­per­gra­nu­loms übereinstimmten.

(tt)

Autoren: Habbe KJ et al.
Korrespondenz: Kirsten j Habbe; kirsten.habbe@joho-dortmund.de
Studie: Foreign body reaction after CyPass® Micro-Stent implantation: a case series
Quelle: Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol 2022; Aug 19.
Web: dx.doi.org/10.1007/s00417-022-05767-7

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