Offen­win­kel­glau­kom und Migräne

Populationsbasierte Kohortenstudie zeigt erhöhtes Risiko

17. Mai 2019

TAIPEH (Bier­mann) – Migrä­ne ist mit einer endo­the­lia­len Dysfunk­ti­on verbun­den und wird als syste­mi­sche Vaskulo­pa­thie ange­se­hen. Inter­es­san­ter­wei­se treten syste­mi­sche Gefäß­er­kran­kun­gen auch bei Glau­kom­pa­ti­en­ten auf und gelten als vasku­lä­re Risi­ko­fak­to­ren. Ob Migrä­ne ledig­lich eine Beglei­ter­kran­kung bei Glau­kom­pa­ti­en­ten oder ein Risi­ko­fak­tor für Glau­kom ist, ist nicht bekannt. 

Eine Arbeits­grup­pe aus Taipeh hat nun heraus­ge­fun­den, dass bei Pati­en­ten unter 50 Jahren ohne Komor­bi­di­tä­ten Migrä­ne mit einem höhe­ren Risiko für ein Offen­win­kel­glau­kom asso­zi­iert ist.

Die Wissen­schaft­ler unter­such­ten in ihrer Studie das Risiko für Offen­win­kel­glau­kom bei Migrä­ne­pa­ti­en­ten mithil­fe landes­wei­ter bevöl­ke­rungs­ba­sier­ter Daten aus der Longi­tu­di­nal Health Insuran­ce Data­ba­se 2000. Die Studi­en­au­toren nahmen 17.283 Perso­nen mit Migrä­ne in die Studi­en­ko­hor­te auf und wähl­ten 69.132 Perso­nen aus der Daten­bank nach dem Zufalls­prin­zip für die Vergleichs­grup­pe aus. 

Alle Proban­den wurden für einen Zeit­raum von 10 Jahren nach­be­ob­ach­tet, um dieje­ni­gen Proban­den zu iden­ti­fi­zie­ren, die anschlie­ßend eine Offen­win­kel­glau­kom-Diagno­se erhiel­ten. Mithil­fe der alters­an­ge­pass­ten Bewer­tung des Charl­son-Komor­bi­di­täts­in­dex (ACCI) wurde die Belas­tung durch Komor­bi­di­tät bei jedem Proban­den berech­net. Multi­va­ria­te Regres­si­ons­ana­ly­sen wurde verwen­det, um Risi­ko­fak­to­ren für ein Offen­win­kel­glau­kom bei Migrä­ne­kran­ken zu bewer­ten. Um das 10-Jahres-Risiko eines Offen­win­kel­glau­koms zwischen Migrä­ne­pa­ti­en­ten und der Vergleichs­ko­hor­te zu verglei­chen, wurde eine Cox-Regres­si­on durchgeführt.

Die Auswer­tung zeigte, dass Migrä­ne­kran­ke mehr vasku­lä­re Komor­bi­di­tä­ten hatten als die Vergleichs­ko­hor­te. Die Gesamt­in­zi­denz eines Offen­win­kel­glau­koms (pro 1000 Perso­nen­jah­re) betrug für Migrä­ne­pa­ti­en­ten 1,29 bzw. 1,02 für die Vergleichs­ko­hor­te während des 10-jähri­gen Beobachtungszeitraums. 

Alter, Hyper­li­pi­dä­mie und Diabe­tes melli­tus waren drei signi­fi­kan­te Risi­ko­fak­to­ren für ein Offen­win­kel­glau­kom bei Migrä­ne­kran­ken. Unter Berück­sich­ti­gung des Alters und der vasku­lä­ren Komor­bi­di­tä­ten der Pati­en­ten wurde bei Migrä­ne­pa­ti­en­ten ein 1,68-fach (95%-Konfidenzintervall [KI], 1,20–2,36) höhe­res Risiko für die Entwick­lung eines Offen­win­kel­glau­koms fest­ge­stellt als bei Proban­den der Vergleichs­ko­hor­te mit einem ACCI-Score von 0. Diese Asso­zia­ti­on wurde bei Proban­den mit ACCI-Werten von 1–2 oder ≥3 statis­tisch nicht signifikant.

(isch)

Autoren: Huang JY et al.
Korrespondenz: SU CC; chienchiasu@ntu.edu.tw
Studie: Migraine and increased risk of developing open angle glaucoma: a population-based cohort study
Quelle: BMC Ophthalmol 2019 Feb 13;19(1):50.
Web: https://doi.org/10.1186/s12886-019-1062-9

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