Normal­druck­glau­kom

Multifaktorielle vaskuläre Pathogenese ist gegeben

18. November 2021

ROCHESTER (Bier­mann) – Multi­ple vasku­lär beding­te Erkran­kun­gen wurden bislang mit einem Normal­druck­glau­kom in Verbin­dung gebracht. Die Autoren einer aktu­el­len evidenz­ba­sier­ten Studie haben nun die vasku­lä­re Genese für ein Normal­druck­glau­kom bestä­ti­gen können.

Die Wissen­schaft­ler nahmen 277 Pati­en­ten mit Normal­druck­glau­kom, die im Zeit­raum 2005 bis 2015 in der Augen­ab­tei­lung der Mayo-Klinik, Jack­son­vil­le, USA, behan­delt wurden, in ihre retro­spek­ti­ve Fall-Kontroll-Studie auf. Darin vergli­chen die Forschen­den die Pati­en­ten mit Normal­druck­glau­kom mit 277 alters- und geschlechts­an­ge­pass­ten Kontrollpersonen.

Die Forscher ermit­tel­ten folgen­de signi­fi­kan­ten Unter­schie­de zwischen den beiden Gruppen:

Die Normal­druck­pa­ti­en­ten wiesen im Vergleich zu den Kontroll­per­so­nen stär­ke­re myope Refrak­ti­ons­feh­ler (-1,6 dpt vs. ‑1,0 dpt; p<0,001), einen gerin­ge­ren Augen­in­nen­druck (14,2 mmHg vs. 15,2 mmHg; p<0,001) sowie ein größe­res Cup-Disc-Verhält­nis (0,7 vs. 0,3; p<0,001) auf.

Darüber hinaus stell­ten die Glau­kom­spe­zia­lis­ten fest, dass die Normal­druck­glau­kom­grup­pe vergli­chen mit der Kontroll­grup­pe signi­fi­kant selte­ner adipös war (BMI >30; p=0,03) sowie eine signi­fi­kant höhere Präva­lenz von syste­mi­schem Hyper­to­nus (OR 1,64; p=0,004), Diabe­tes melli­tus (OR 3,01; p<0,001), peri­phe­ren Gefäß­er­kran­kun­gen (OR 2,61; p=0,009), Migrä­ne (OR 2,12; p=0,02), Anämie (OR 2,18; p=0,003), syste­mi­schem Hypo­to­nus (OR 4,43; p<0,001), Rayn­aud-Syndrom (OR 3,09; p=0,05) besaß sowie für die Einnah­me von Angio­ten­sin-Conver­ting-Enzym-Hemmern (OR 1,64; p=0,01) oder Kalzi­um­ka­nal­blo­ckern (OR 1,98; p=0,004). Auch nach Anpas­sung von syste­mi­schem Hyper­to­nus blieb die Präva­lenz für die Einnah­me von Kalzi­um­ka­nal­blo­ckern signi­fi­kant höher (OR 1,70; p=0,03).

Demge­gen­über konn­ten die Exper­ten keine signi­fi­kan­ten Unter­schie­de zwischen den Grup­pen in Bezug auf Hyper­li­pi­dä­mie, obstruk­ti­ve Schlaf­apnoe, koro­na­re Herz­krank­heit, Karo­tissteno­se, Apoplex, Einnah­me von Stati­nen, Angio­ten­sin-1-Rezep­tor-Antago­nis­ten, Beta­blo­ckern oder Metformin finden.

(tt)

Autoren: Funk RO et al.
Korrespondenz: Gavin W Roddy; roddy.gawin@mayo.edu
Studie: Multiple Systemic Vascular Risk Factors are Associated with Low Tension Glaucoma
Quelle: J Glaucoma 2021; Nov 3 (online ahead of print)
Web: dx.doi.org/10.1097/IJG.0000000000001964

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