Neuro­tro­phe Keratopathie

Möglicherweise unterdiagnostizierte Erkrankung

12. Juli 2022

DÜSSELDORF (Bier­mann) – Die neuro­tro­phe Kera­topa­thie (NK) ist eine soge­nann­te Orphan Dise­a­se mit einer geschätz­ten Präva­lenz von 1–5/10.000. Zur Inzi­denz exis­tie­ren bisher keine Daten. Primä­res Ziel einer Studie aus Düssel­dorf war daher, Präva­lenz und Inzi­denz in einem deut­schen tertiä­ren Refe­renz­zen­trum zu evalu­ie­ren. Weiter­hin soll­ten demo­gra­phi­sche Para­me­ter, Ätio­lo­gie, klini­sche Zeichen und thera­peu­ti­sche Ergeb­nis­se analy­siert werden.

Alle Pati­en­ten, die in der Klinik aufgrund einer NK zwischen 2013 und 2017 mittels Serum-Augen­trop­fen (SAT), Amni­onmem­bran-Trans­plan­ta­ti­on (AMT) oder pene­trie­ren­der Kera­to­plas­tik (pKP) behan­delt wurden, wurden in die Studie einge­schlos­sen. Alter, Geschlecht, Ätio­lo­gie der NK, Visus, Krank­heits­sta­di­um und Thera­pie wurden analy­siert. Aus den Daten wurden Inzi­denz und Präva­lenz in der Klinik und für die Gesamt­po­pu­la­ti­on der Stadt errechnet.

Bei den einge­schlos­se­nen 63 Augen von 60 Pati­en­ten (56,7% männ­lich, 68 +/- 16 Jahre) wurden folgen­de Grund­er­kran­kun­gen am häufigs­ten gefun­den: Herpes-Infek­ti­on (23,8%), neuro­lo­gi­sche Erkran­kun­gen (19%) und Diabe­tes melli­tus (14,3%). Die Jahres-Inzi­denz der NK für die Studi­en-Klinik lag zwischen 5/10.000 und 3/10.000, die Präva­lenz bei 9/10.000 und 22/10.000.
Bei Pati­en­ten, die aufgrund eines Horn­hau­tul­cus behan­delt wurden, war die Präva­lenz um 27% erhöht (2706/10.000). Die Inzi­denz hier­für wurde auf 0,1–0,3/10.000, die Präva­lenz auf 0,2–0,5/10.000 geschätzt.

Basie­rend auf diesen Ergeb­nis­sen ist von einer nied­ri­ge­ren Präva­lenz der NK in der Gesamt­be­völ­ke­rung auszu­ge­hen als bisher geschätzt. Bei Pati­en­ten mit Horn­hau­tul­ze­ra ist die Häufig­keit einer NK jedoch vergleich­bar hoch. Mögli­cher­wei­se wird die Erkran­kung aufgrund der Varia­bi­li­tät der zugrun­de­lie­gen­den Erkran­kun­gen nach wie vor unter­dia­gnos­ti­ziert. Es wäre daher ziel­füh­rend, wenn bei thera­pie­re­frak­tä­rer super­fi­zi­el­ler Kera­topa­thie oder Ulzera eine NK häufi­ger in Betracht gezo­gen würde, so die Autoren der Studie. (ak)

Autoren: Roth M et al.
Korrespondenz: mathias.roth@med.uni-duesseldorf.de
Studie: Incidence, prevalence, and outcome of moderate to severe neurotrophic keratopathy in a German tertiary referral center from 2013 to 2017
Quelle: Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol. 2022 Jun;260(6):1961-1973.
Web: https://doi.org/10.1007/s00417-021-05535-z
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