Neuro­tro­phe Kera­topa­thie im Stadi­um 1

Rekombinanter humaner Nervenwachstumsfaktor verhindert Progression

1. September 2022

BOSTON (Bier­mann) – Bei der neuro­tro­phen Kera­topa­thie (NK) handelt es sich um eine visus­be­dro­hen­de Erkran­kung, die aus einer Verlet­zung oder Dysfunk­ti­on von Horn­haut­ner­ven und einer nach­fol­gen­den Abnah­me oder einem Verlust der Horn­haut­sen­si­bi­li­tät resul­tiert und die epithe­lia­le Homöosta­se gefähr­det. Die Autoren einer aktu­el­len Arbeit haben nun gezeigt, dass die topi­sche Appli­ka­ti­on des rekom­bi­nan­ten huma­nen Nerven­wachs­tums­fak­tors ([rhNGF]; Cene­ger­min) bereits im frühen Stadi­um das Fort­schrei­ten der NK verhindert.

In ihre multi­zen­tri­sche, retro­spek­ti­ve Studie schlos­sen die Wissen­schaft­ler 17 Pati­en­ten (mitt­le­res Alter 67,5±2,4 Jahre; 94,1% Frauen) mit NK im Stadi­um 1 (diffu­se Kera­ti­tis punc­ta­ta super­fi­cia­lis; kein Anspre­chen auf gängi­ge Thera­peu­ti­ka) ein, die über einen Zeit­raum von 8 Wochen mit topi­schem rhNGF (20 µg/ml) behan­delt wurden.

Die Arbeits­grup­pe über­prüf­te die Befun­de des kornea­len Fluo­res­ze­in-Anfär­be-Scores (CFS) auf der Oxford-Skala, der Horn­haut­emp­find­lich­keit (Cochet-Bonnet-Ästhe­sio­me­ter), der best­kor­ri­gier­ten Sehschär­fe (BCVA) sowie der komplet­ten, zentra­len und peri­phe­ren kornea­len Nerven­dich­te (konfo­ka­le In-vivo-Mikro­sko­pie [IVCM]). Befun­de zur Nerven­dich­te, die vor und nach der Thera­pie vorla­gen (n=5), wurden mit solchen alters- und geschlechts­an­ge­pass­ter Kontroll­per­so­nen (n=13) verglichen.

Die Ätio­lo­gien der NK umfass­ten ein chro­nisch trocke­nes Auge (64,7%), einen Z.n. ophthal­mo­chir­ur­gi­schen Eingrif­fen (35,2%), eine Kera­ti­tis herpe­ti­ca (11,7%) sowie multi­fak­to­ri­el­le Ursa­chen (82,4%).

Die Forscher ermit­tel­ten, dass sich der CFS von im Mittel 4,0±,0 vor der Thera­pie auf 1,06±0,77 nach 8 Wochen verbes­ser­te (p<0,001). Ebenso nahm die mitt­le­re BCVA von 0,5 auf 0,7 dezi­mal zu (p=0,0013). Zudem stell­ten die Exper­ten fest, dass die komplet­te, die zentra­le und die peri­phe­re kornea­le Nerven­dich­te signi­fi­kant anstie­gen (p=0,006; p=0,013; p=0,004). Die mitt­le­re Geschwin­dig­keit der Nerven­re­ge­ne­ra­ti­on betrug 1,87 mm/mm2 pro Monat. In 10 Fällen (58,8%) kam es zu leich­ten okulä­ren Schmer­zen, die nicht zu einem Thera­pie­ab­bruch führten.

(tt)

Autoren: Saricay LY et al.
Korrespondenz: Pedram Hamrah; phamrah@tuftsmedicalcenter.org
Studie: Efficacy of Recombinant Human Nerve Growth Factor in Stage 1 Neurotrophic Keratopathy
Quelle: Ophthalmology 2022; Aug 13;S0161-6420(22)00633-9.
Web: dx.doi.org/10.1016/j.ophtha.2022.08.014

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