Neovasku­la­ri­sa­ti­ons­glau­kom nach Zentral­arte­ri­en­ver­schluss und Thrombolyse

Produktion von VEGF von reanimierten hypoxischen Netzhautzellen ist möglich

30. Mai 2022

CHEMNITZ (Bier­mann) – Ein Neovasku­la­ri­sa­ti­ons­glau­kom (NVG) stellt eine schwe­re Kompli­ka­ti­on bei reti­na­len Gefäß­ver­schlüs­sen dar. Iris­neo­vasku­la­ri­sa­tio­nen treten im natür­li­chen Verlauf nach einer Netz­haut­in­far­zie­rung erst zeit­ver­zö­gert auf. Den Autoren einer aktu­el­len Arbeit zufol­ge könnte jedoch eine intra­ar­te­ri­el­le Throm­bo­ly­se (IAT) eines reti­na­len Zentral­arte­ri­en­ver­schlus­ses (CRAO) durch die zeit­na­he Wieder­eröff­nung des Gefä­ßes die noch hypo­xi­schen Netz­haut­zel­len dazu anre­gen, VEGF zu expri­mie­ren, was die Entste­hung eines sehr früh auftre­ten­den NVG erklä­ren könnte.

Die Wissen­schaft­ler über­prüf­ten retro­spek­tiv medi­zi­ni­sche Aufzeich­nun­gen zu 6 Pati­en­ten mit akutem nicht­ar­te­ri­iti­schem CRAO, bei denen im Zeit­raum März 2021 bis Febru­ar 2022 eine IAT (Off-Label) mit rekom­bi­nan­tem Gewebe-Plas­mi­no­gen-Akti­va­tor 4,5 bis 6 Stun­den nach Symptom­be­ginn durch­ge­führt wurde. Die Arbeits­grup­pe über­prüf­te die medi­zi­ni­sche Anamne­se der Pati­en­ten sowie die prä- und post­ope­ra­ti­ven ophthal­mo­lo­gi­schen Befun­de sowie die Aufnah­men der Spec­tral-Domain-OCT (SD-OCT).

Die Forscher ermit­tel­ten, dass bei allen 6 Pati­en­ten keine signi­fi­kan­te Steno­se der Arte­ria caro­tis (bis auf einige Plaque­ab­la­ge­run­gen) vorlag. Ebenso zeigte sich die ophthal­mo­lo­gi­sche Anamne­se ohne Befund. Bei 2 Pati­en­ten bestand ein Diabe­tes melli­tus und 2 Pati­en­ten erlit­ten 2 Wochen bzw. 4 Jahre vor dem CRAO einen Apoplex.

Des Weite­ren stell­ten die Reti­no­lo­gen fest, dass sich bei allen Pati­en­ten die präope­ra­ti­ve BCVA von Lux bis Hand­be­we­gun­gen post­ope­ra­tiv nicht verbes­ser­te. 4 Pati­en­ten entwi­ckel­ten 4 bis 7 Wochen post­ope­ra­tiv ein akutes schmerz­haf­tes NVG mit Augen­in­nen­druck (IOD)-Werten zwischen 41 und 50 mmHg. Bei allen 4 Augen erfolg­te eine panre­ti­na­le Laser­ko­agu­la­ti­on sowie eine intra­vit­rea­le Injek­ti­on mit Beva­ci­zumab. In 2 Fällen wurde eine Pars-plana-Vitrek­to­mie durch­ge­führt. Diese Augen wurden zusätz­lich mit einem Glau­kom-Drai­na­ge-Implan­tat versorgt. 2 Augen erwie­sen sich als schmerz­los erblindet.

(tt)

Autoren: Furashova O et al.
Korrespondenz: Olga Furashova; fur.olga@gmail.com
Studie: Early Onset of Neovascular Glaucoma After Intra-Arterial Thrombolysis for Central Retinal Artery Occlusion: A Possible Complication?
Quelle: Clin Ophthalmol 2022; Apr 22;16:1235-1244.
Web: dx.doi.org/10.2147/OPTH.S362019

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