Medi­ka­men­ten-indu­zier­te Uveitis

Auftreten nach einer Behandlung mit Ibrutinib ist möglich

13. April 2021

LONDON (Bier­mann) Ibru­ti­nib ist ein nieder­mo­le­ku­la­res anti­neoplas­ti­sches Medi­ka­ment aus der Gruppe der Tyro­sin­ki­na­se-Inhi­bi­to­ren, welches für die Thera­pie von häma­to­lo­gi­schen Erkran­kun­gen zuge­las­sen ist.

Bekann­ter­ma­ßen kann Ibru­ti­nib zu Sehstö­run­gen führen, jedoch sind bisher Fälle einer Ibru­ti­nip-asso­zi­ier­ten Uvei­tis nicht beschrie­ben worden.

In einer aktu­el­len Veröf­fent­li­chung haben Ophthal­mo­lo­gen nun 2 Kasu­is­ti­ken vorge­stellt, bei denen ein enger zeit­li­cher Zusam­men­hang zwischen der Behand­lung einer chro­nisch lympha­ti­schen Leuk­ämie mit Ibru­ti­nib und dem Auftre­ten einer schwe­ren Uvei­tis bestand.

Bei dem 1.Fall handel­te es sich um eine 65-jähri­ge Frau, bei der es 1 Tag nach Beginn der Ibru­ti­nib-Thera­pie zu einer akuten bila­te­ra­len fibri­nö­sen ante­rio­ren Uvei­tis gekom­men war. Der Visus betrug am rech­ten Auge Hand­be­we­gun­gen und am linken Auge 20/120. Fundus­ko­pisch zeigte sich eine hyper­ämi­sche Papil­le und subre­ti­na­le Flüs­sig­keit am hinte­ren Pol. Darauf­hin wurde Ibru­ti­nib abge­setzt, und es kam unter der Behand­lung mit loka­len und oralen Korti­kos­te­ro­iden zu einer signi­fi­kan­ten Verbes­se­rung des Befundes.

Im 2.Fall ging es um einen 64-jähri­gen Mann, der in den letz­ten 9 Mona­ten mit Ibru­ti­nib behan­delt wurde. Bei Vorstel­lung lag der Visus am rech­ten Auge bei 20/80 und am linken Auge bei 20/60. Anamnes­tisch waren die Beschwer­den subakut und es zeigte sich eine bila­te­ra­le hyper­ten­si­ve ante­rio­re Uvei­tis mit hinte­ren Synechi­en der Pupil­le und ein rechts­sei­ti­ges Hyphä­ma. Die Inflamma­ti­on reagier­te schlecht auf die lokale Corti­cos­te­ro­id-Thera­pie. Nach­dem jedoch Ibru­ti­nib aufgrund kardia­ler Neben­wir­kun­gen abge­setzt werden musste, verschwand auch die Uveitis.

Die Wissen­schaft­ler resü­mie­ren, dass ein ursäch­li­cher Zusam­men­hang zwischen der Ibru­ti­nib-Behand­lung und der aufge­tre­te­nen Uvei­tis anzu­neh­men sei. Sie vermu­ten als Mecha­nis­mus der medi­ka­men­ten-indu­zier­ten Uvei­tis die durch Ibru­ti­nib verstärk­te Th1-Zellen-basier­te Immun­ant­wort. Ebenso könnte die blut­plätt­chen­hem­men­de Wirkung des Medi­ka­men­tes die fibri­nö­se Reak­ti­on sowie das Hyphä­ma erklären.

(tt)

Autoren: Bohn M et al.
Korrespondenz: Marcela Bohn; marcela.bohn@nhs.net
Studie: Ibrutinib-related uveitis: A report of two severe cases
Quelle: Eur J Ophthalmol 2021; Mar 15;11206721211001268.
Web: dx.doi.org/10.1177/11206721211001268

 

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