Kompres­si­ve versus glau­kom­a­tö­se Optikusneuropathie

Strukturparameter in der OCT helfen bei der Differenzierung

2. Juni 2022

BANGKOK (Bier­mann) – Die klini­sche Abgren­zung einer supra­sel­lä­ren, kompres­si­ven Opti­kus­neu­ro­pa­thie (CON) von einer glau­kom­a­tö­sen Opti­kus­neu­ro­pa­thie (GON) bei einem lang­sam progre­dien­ten schmerz­lo­sen Sehver­lust mit Gesichts­feld (VF)-Defekten und Papil­len­atro­phie erweist sich oftmals als schwie­rig. Die Autoren einer aktu­el­len Arbeit haben nun gezeigt, dass spezi­fi­sche Verdün­nungs­mus­ter der peri­pa­pil­lä­ren reti­na­len Nerven­fa­ser­schicht (RNFL) sowie des Komple­xes maku­lä­re Gangli­en­zell­schicht-Innere plexi­for­me Schicht (GCIPL) eine gewis­se Unter­schei­dung der Opti­kus­neu­ro­pa­thien ermöglichen.

Die Wissen­schaft­ler schlos­sen 34 Augen (n=22) mit neu diagnos­ti­zier­ter CON, 30 Augen (n=18) mit Post-CON nach einem neuro­chir­ur­gi­schen Eingriff, 29 Augen (n=20) mit GON sowie 60 Kontroll-Augen (n=30) in ihre Quer­schnitts­stu­die ein. Die Arbeits­grup­pe stell­te die Verdün­nungs­wer­te der RNFL und GCIPL den Verlust­wer­ten der mitt­le­ren Abwei­chung (MD) im VF jeder Gruppe gegenüber.

Die Forscher ermit­tel­ten, dass die CON-Gruppe ein charak­te­ris­ti­sches unver­hält­nis­mä­ßig frühes Ausdün­nungs­mus­ter der RNFL im Vergleich zu den entspre­chen­den VF-Verlus­ten aufwies. GON- und CON- Ausdün­nungs­pa­ra­me­ter erwie­sen sich bei mittel­schwe­rem bis schwe­rem MD-Verlust zur Unter­schei­dung als geeig­net, während sich Verdün­nun­gen beider Grup­pen bei frühen MD-Verlus­ten (0 bis ‑6 dB) überlappten.

Des Weite­ren stell­ten die Exper­ten fest, dass das Verhält­nis nasale zu tempo­ra­le GCIPL im gesam­ten MD-Verlust­be­reich eine gute Unter­scheid­bar­keit zwischen CON und GON zuließ (AUC 0,923; 95%-KI 0,870–0,976; p<0,001). Beim Vergleich von GON mit CON mit einem Cut-Wert von 0,95, zeigte das nied­ri­ge­re nasal-zu-tempo­ra­le GCIPL-Verhält­nis eine Sensi­ti­vi­tät von 72% und eine Spezi­fi­tät von 90% für CON, während das supe­rio­re zum infe­rio­ren GCIPL-Verhält­nis mit einem Grenz­wert von 1,10 eine Sensi­ti­vi­tät von 60% und eine Spezi­fi­tät von 98% für GON aufwies.

Die Autoren beto­nen, dass diese Unter­schei­dung dabei hilf­reich sein kann, eine verzö­ger­te Behand­lung vieler heil­ba­rer Ursa­chen bei CON zu vermeiden.

(tt)

Autoren: Laowanapiban P et al.
Korrespondenz: Niphon Chirapapaisan; niphon.chi@mahidol.ac.th
Studie: Structural and functional differentiation between compressive and glaucomatous optic neuropathy
Quelle: Sci Rep 2022; Apr 26;12(1):6795.
Web: dx.doi.org/10.1038/s41598-022-10269-x

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