Kera­to­ko­nus

Crosslinking auch bei Menschen mit Down-Syndrom in Betracht ziehen

22. Mai 2022

DUBLIN (Bier­mann)Irland weist in Europa die höchs­te Rate an Pati­en­ten mit Down-Syndrom auf (26.3:10,000 Lebend­ge­bo­re­ne). In dieser Gruppe tritt, wie auch bei ande­ren Menschen mit geis­ti­gen Behin­de­run­gen, häufig ein Kera­to­ko­nus auf. Aller­dings sind die Durch­füh­rung einer Kera­to­plas­tik und die Nach­sor­ge bei diesen Pati­en­ten in aller Regel problematisch.

Im Rahmen einer retro­spek­ti­ven Kohor­ten­stu­die wurden Pati­en­ten unter­sucht, welche eine geis­ti­ge Behin­de­rung (engl.: intel­lec­tu­al disa­bi­li­ty, ID) und einen Kera­to­ko­nus aufwie­sen. Unter ande­rem wurden Pati­en­ten mit Down-Syndrom und Autis­mus einge­schlos­sen. Die Entwick­lung eines ange­mes­se­nen klini­schen Algo­rith­mus für Unter­su­chung und Manage­ment des Kera­to­ko­nus bei diesen Pati­en­ten war eines der Ziele der Studie.
Die Kran­ken­ak­ten der Pati­en­ten wurden auf Narko­se­un­ter­su­chun­gen oder Cross­lin­king in Allge­mein­an­äs­the­sie unter­sucht. Dabei wurden Horn­haut­be­fund, cornea­le Tomo­gra­phie, Visus, Art der ID, Narko­se und kardio­lo­gi­scher Status analysiert.

Das mitt­le­re Alter der einge­schlos­se­nen Pati­en­ten lag bei 31,9 Jahren. Von 24 Pati­en­ten waren 66,7% männ­lich. In 66,7% der Fälle fand sich ein Down-Syndrom. Weite­re 25% der Fälle wiesen eine Autis­mus-Spek­trums­tö­rung auf und in 8,3% wurden andere menta­le Behin­de­run­gen fest­ge­stellt. Bei 98% der Augen wurde ein Kera­to­ko­nus diagnos­ti­ziert. Von diesen wiesen 45,8% einen unbe­han­del­ten, fort­ge­schrit­te­nen Kera­to­ko­nus (in 57,1% bila­te­ral) auf. Einem Cross­lin­king zugäng­lich waren 39,6% (35,7% bila­te­ral) der Pati­en­ten. Insge­samt wurde in 6,3% der Fälle eine Kera­to­plas­tik durchgeführt.
Bei 37,5% der Pati­en­ten mit Down-Syndrom bestand ein konge­ni­ta­ler Herzfehler.

Das cornea­le Cross­lin­king stellt somit auch für Pati­en­ten mit ID eine effek­ti­ve Inter­ven­ti­on dar, um eine Progres­si­on des Kera­to­ko­nus und damit eine Kera­to­plas­tik mit umfang­rei­cher Nach­sor­ge zu verhin­dern oder zumin­dest heraus­zu­zö­gern. Ein Algo­rith­mus mit fest­ge­leg­ten Scree­ning- und Behand­lungs­sche­ma­ta ist sinn­voll. (ak)

Autoren: Stephenson K et al.
Korrespondenz: kirkstephenson@hotmail.com
Studie: Management of Keratoconus in Down Syndrome and Other Intellectual Disability
Quelle: Cornea. 2022 Apr 1;41(4):456-461.
Web: https://doi.org/10.1097/ICO.0000000000002793

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