Immun­check­point-Inhi­bi­to­ren

Sicca/Sjögren-Syndrom durch Checkpoint-Inhibitoren zeigt spezifisches Profil

13. Dezember 2019

BARCELONA (Bier­mann) – Ein inter­na­tio­na­les Autoren­team des Immu­no­Can­cer Inter­na­tio­nal Regis­try (ICIR) hat das welt­wei­te Auftre­ten des Sicca/S­jö­gren-Syndroms in Verbin­dung mit dem Einsatz von Immun­check­point-Inhi­bi­to­ren (ICI) bei Krebs­pa­ti­en­ten unter­sucht. Dabei stell­ten sie fest, dass Pati­en­ten mit einem durch ICI ausge­lös­ten Sjögren-Syndrom ein sehr spezi­fi­sches Profil zeigen, welches sich vom idio­pa­thi­schen primä­ren Sjögren-Syndrom unter­schei­det. Der enge Zusam­men­hang zwischen dem Sicca/S­jö­gren-Syndrom und der PD-1-Inhi­bi­ti­on erfor­de­re weite­re spezi­fi­sche Unter­su­chun­gen, so ihr Resümee.

Das ICIR ist ein multi­dis­zi­pli­nä­res Netz­werk. Es besteht aus 40 Spezia­lis­ten für Rheu­ma­to­lo­gie, Innere Medi­zin, Immu­no­lo­gie und Onko­lo­gie aus 18 Ländern. Gemein­sam konzen­trie­ren sie sich auf die Erfor­schung immun­ver­mit­tel­ter Neben­wir­kun­gen (irAEs) von Krebs­im­mun­the­ra­pien. In die Studie wurden Pati­en­ten einge­schlos­sen, bei denen ein Verdacht auf ein Sicca/S­jö­gren-Syndrom nach ICI-Expo­si­ti­on vorlag.

Die Arbeits­grup­pe iden­ti­fi­zier­te 26 Pati­en­ten (11 Frauen und 15 Männer, mit einem Durch­schnitts­al­ter zum Diagno­se­zeit­punkt von 63,57 Jahren). Der zugrun­de liegen­de Krebs umfass­te Lungen­krebs (n=2), Nieren­krebs (n=7), Mela­no­me (n=4) und andere Neopla­si­en (n=3). Die Krebs­im­mun­the­ra­pien bestan­den in 77% der Fälle aus einer Mono­the­ra­pie und in 23% der Fälle aus einer Kombi­na­ti­ons­the­ra­pie. Bei solchen Pati­en­ten, die eine Mono­the­ra­pie erhiel­ten, wurden alle Pati­en­ten mit PD‑1/PD-L1-Inhi­bi­to­ren behan­delt (Nivo­lum­ab [n=9], Pemb­ro­li­zumab [n=7] und Durvalum­ab [n=4]). Es wurden keine mit CTLA-4-Inhi­bi­to­ren asso­zi­ier­ten Fälle identifiziert.

Die wich­tigs­ten Sicca/S­jö­gren-Syndrom-bezo­ge­nen Merk­ma­le waren: trocke­ner Mund bei 25 Pati­en­ten (96%), trocke­nes Auge bei 17 (65%), abnor­ma­le Augen­tests bei 10/16 (62%) und abnor­ma­le orale Diagno­se­tests bei 12/14 (86%) Pati­en­ten. Bei 15 Pati­en­ten wurde eine Spei­chel­drü­sen­bi­op­sie durch­ge­führt: Die histopa­tho­lo­gi­schen Befun­de zeig­ten eine milde chro­ni­sche Sialade­ni­tis bei 8 und eine fokale lympha­ti­sche Sialade­ni­tis bei den rest­li­chen 7 Pati­en­ten. Ein Focus-Score wurde bei 5 der 6 Pati­en­ten gemes­sen (Mittel­wert von 1,8).

Immu­no­lo­gi­sche Marker beinhal­te­ten posi­ti­ve anti­nu­kleä­re Anti­kör­per bei 13 von 25, Anti-Ro/S­S‑A bei 5/25, Rheu­ma­fak­tor bei 2/22, Anti-La/S­S‑B bei 2/25, nied­ri­ge C3/C4-Werte bei 1/17 und posi­ti­ve Kryo­glo­bu­li­ne bei 1/10. Die Einstu­fungs­kri­te­ri­en für das Sicca/S­jö­gren-Syndrom wurde von 10 Pati­en­ten erfüllt. Bei 3 Pati­en­ten wurde ausschließ­lich ein Sicca-Syndrom ohne organ­spe­zi­fi­sche Auto­im­mun­ma­ni­fes­ta­tio­nen festgestellt.

Das Thera­pie­ma­nage­ment umfass­te Maßnah­men zur Behand­lung von Sicca-Sympto­men und Thera­pien gegen auto­im­mun­be­ding­te Mani­fes­ta­tio­nen (Gluko­kor­ti­ko­ide bei 42%, Zweit-/Dritt­li­ni­en­the­ra­pien bei 31%); Ein thera­peu­ti­sches Anspre­chen hinsicht­lich syste­mi­scher Merk­ma­le wurde bei 8/11 beobachtet.

(isch)

Autoren: Ramos-Casals M et al.
Korrespondenz: Manuel Ramos-Casals; mramos@clinic.ub.es
Studie: Sicca/Sjögren's syndrome triggered by PD-1/PD-L1 checkpoint inhibitors. Data from the International ImmunoCancer Registry (ICIR)
Quelle: Clin Exp Rheumatol 2019;37 Suppl 118(3):114–122.
Web: https://www.clinexprheumatol.org/abstract.asp?a=14290

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