Immun­check­point-Inhi­bi­to­ren

Immunvermittelte Nebenwirkungen am Auge durch Krebstherapie mit Anti-PD-1

12. Dezember 2019

PARIS (Bier­mann) – Immun­check­point-Inhi­bi­to­ren (ICI), die die Check­point­mo­le­kü­le PD‑1 („program­med cell death prote­in 1“) oder dessen Ligan­den PD-L1 („program­med cell death-ligand 1“) adres­sie­ren, sind die Haupt­stüt­ze in der Behand­lung von meta­stasier­tem Krebs. Pati­en­ten, die diese Behand­lun­gen erhal­ten, können immun­ver­mit­tel­te Neben­wir­kung (irAEs) entwi­ckeln. Augen­kom­pli­ka­tio­nen treten dabei norma­ler­wei­se früh nach Beginn der Behand­lung auf, können aber auch verzö­gert vorkommen.

Obwohl es unge­wöhn­lich ist, können mit Anti-PD(-L)-1 asso­zi­ier­te Augen­kom­pli­ka­tio­nen auch die Sehkraft bedro­hen und zum Abset­zen der Behand­lung führen. Pati­en­ten, die während der ICI-Thera­pie über Augen­pro­ble­me klagen, soll­ten deswe­gen sofort von einem Augen­arzt unter­sucht werden, so das Fazit einer fran­zö­si­schen Arbeitsgruppe.

Ziel ihrer prospek­ti­ven Fall­se­rie war es, die Präva­lenz abzu­schät­zen und die Krank­heits­bil­der mittel­schwe­rer bis schwe­rer irAEs im Auge zu beschrei­ben, die mit einer Anti-PD(-L)-1-Behandlung asso­zi­iert sind. Dafür berück­sich­tig­ten die Studi­en­au­toren Pati­en­ten, die zwischen Juni 2014 und März 2018 über eine mono­zen­tri­sche prospek­ti­ve Kohor­te sowie ein natio­na­les Phar­ma­ko­vi­gi­lanz-Regis­ter rekru­tiert wurden. Alle Pati­en­ten wurden einer umfas­sen­den augen­ärzt­li­chen Unter­su­chung unterzogen.

Von insge­samt 745 in die prospek­ti­ve Kohor­te einbe­zo­ge­nen Pati­en­ten entwi­ckel­ten 3 mittel­schwe­re bis schwe­re Augen-irAEs nach Anti-PD(-L)-1-Behandlung, was einer Präva­lenz von 0,4% entspricht. Weite­re 5 Fälle von mittel­schwe­ren bis schwe­ren Augen-irAEs wurden über das natio­na­le Phar­ma­ko­vi­gi­lanz-Regis­ter gemeldet.

Von diesen 8 Pati­en­ten hatten 5 eine intrao­ku­la­re Entzün­dung, 2 eine Erkran­kung der Augen­ober­flä­che und 1 eine orbi­ta­le Myopa­thie. Bei 5 Pati­en­ten traten zusätz­li­che extrao­ph­thal­mo­lo­gi­sche irAEs auf.

Die immun­ver­mit­tel­ten Neben­wir­kun­gen am Augen führ­ten bei 4 Pati­en­ten zu einem dauer­haf­ten Abset­zen von Anti-PD(-L)-1. Die Behand­lung mit loka­len und/oder syste­mi­schen Korti­kos­te­ro­iden ermög­lich­te bei 7 von 8 Pati­en­ten eine Besse­rung oder Kontrol­le der Augensymptome.

(isch)

Autoren: Bitton K et al.
Korrespondenz: Antoine Rousseau; antoine.rousseau@aphp.fr
Studie: Prevalence and Clinical Patterns of Ocular Complications Associated With Anti-PD-1/PD-L1 Anticancer Immunotherapy
Quelle: Am J Ophthalmol 2019 Jun;202:109–117.
Web: https://doi.org/10.1016/j.ajo.2019.02.012

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