HIV mit Augen­be­tei­li­gung

Enge interdisziplinäre Zusammenarbeit sollte gegeben sein

26. April 2021

TUNIS (Bier­mann)  Eine aktu­el­le Studie hat gezeigt, dass es bei Pati­en­ten im Rahmen einer Infek­ti­on mit dem huma­nen Immun­de­fi­zi­enz-Virus (HIV) oftmals zu einer Augen­be­tei­li­gung mit unter­schied­li­chen ophthal­mo­lo­gi­schen Mani­fes­ta­tio­nen kommen kann. Laut den afri­ka­ni­schen Autoren der Arbeit stellt die Reti­no­pa­thie die häufigs­te Kompli­ka­ti­on dar. Der Wissens­stand über die okulä­re Form sei in Tune­si­en eher gering, beto­nen die Forscher.

Die Wissen­schaft­ler schlos­sen 98 Pati­en­ten mit HIV (PLWH; persons living with HIV) in die retro­spek­ti­ve Beob­ach­tungs­stu­die ein und werte­ten medi­zi­ni­sche Aufzeich­nun­gen zwischen Januar 2007 und Dezem­ber 2016 aus.

Die Arbeits­grup­pe ermit­tel­te bei 36 Pati­en­ten (55 Augen; 24 Männer und 12 Frauen) eine Augen­be­tei­li­gung, die im Zusam­men­hang mit der HIV-Infek­ti­on stand.

Das Durch­schnitts­al­ter der Pati­en­ten betrug 32,2±5,6 Jahre. Der mitt­le­re Wert der CD4+-T-Helferzellen lag bei 156,5±4,2 Zellen/µl. Bila­te­ra­le Läsio­nen traten bei 19 Augen auf.  Die Forscher stell­ten bei 36 Augen eine best­kor­ri­gier­te Sehschär­fe von >6/12 fest.

Folgen­de okulä­re Verän­de­run­gen wurden von den Exper­ten diagnos­ti­ziert: eine Kera­to­kon­junk­ti­vi­tis sicca (22%), Cotton-Wool-Herde (20%), reti­na­le Blutun­gen (16%), Cytomegalie(CMV)-Retinitis (9%), ante­rio­re Uvei­tis (7%), Toxo­plas­mo­se-beding­te Reti­no­cho­roi­di­tis (4%), Tuber­ku­lo­se-beding­te Reti­no­cho­roi­di­tis (7%), Kera­ti­tis herpe­ti­ca (5%), Herpes zoster ophthal­mi­cus (2%), Syphi­lis-beding­te Chorio­re­t­in­i­tis (2%) sowie ein Papil­len­ödem bei 3 Augen (5%). Darüber hinaus entwi­ckel­ten 4 Augen (7%) eine Panu­vei­tis, von denen jeweils 1 Fall mit einer chorio­re­ti­na­len Toxo­plas­mo­se, einer syphi­li­ti­schen Chorio­re­t­in­i­tis, einer CMV-Retin­i­tis sowie einer Immun­re­co­very-Uvei­tis asso­zi­iert war. Die Studi­en­grup­pe analy­sier­te, dass eine Anzahl von CD4+-T-Helferzellen ≤200 Zellen/µl einen unab­hän­gi­gen Risi­ko­fak­tor für Verän­de­run­gen am hinte­ren Pol darstell­te.

Die Autoren resü­mie­ren, dass die okulä­re Betei­li­gung bei HIV-Pati­en­ten schwer­wie­gend verlau­fen kann und mit einer schlech­ten Visus­pro­gno­se einher­geht. Die enge Zusam­men­ar­beit mit einem Infek­tio­lo­gen sei drin­gend erfor­der­lich.

(tt)

Autoren: Saadouli D et al.
Korrespondenz: Dorsaf Saadouli; saadoulid@yahoo.com
Studie: Ocular manifestations of people living with HIV in Tunisia
Quelle: South Afr J HIV Med 2021; Mar 19;22(1):1193.
Web: dx.doi.org/10.4102/sajhivmed.v22i1.1193

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