Glau­kom­ver­dacht

Hornhautsteifigkeit sagt strukturelle und funktionelle Progression voraus

30. November 2020

ADELAIDE (Bier­mann) – Bei Augen mit Verdacht auf ein Glau­kom ist das Progres­si­ons­ri­si­ko erhöht, wenn die Horn­haut­stei­fig­keit erhöht und die zentra­le Horn­haut­di­cke (CCT) verrin­gert ist, so das Ergeb­nis einer prospek­ti­ven Längs­schnitt­stu­die aus Austra­li­en. Die Para­me­ter für die Horn­haut­stei­fig­keit schei­nen dabei syner­gis­tisch mit der CCT als Risi­ko­fak­to­ren für das Fort­schrei­ten eines Glau­koms zu wirken.

In die Studie einge­schlos­sen wurden 371 Augen von 228 Pati­en­ten mit Verdacht auf ein primä­res Offen­win­kel­glau­kom, basie­rend auf dem Erschei­nungs­bild der Papil­le, mit einem zu Studi­en­be­ginn norma­len Humphrey-Gesichts­feld (HVF). Die Para­me­ter der Horn­haut­stei­fig­keit wurden zu Studi­en­be­ginn mit einem Non-Conta­ct-Tono­me­ter (Corvis ST) gemes­sen. Anschlie­ßend wurden die Teil­neh­mer alle 6 Monate mit klini­schen Unter­su­chun­gen, HVF-Tests und opti­scher Kohä­renz­to­mo­gra­phie (OCT) nach­un­ter­sucht. Zur Vorher­sa­ge der prospek­ti­ven Ergeb­ni­se haben die Studi­en­au­toren den Stei­fig­keits­pa­ra­me­ter der ersten Applana­ti­on (SP-A1) und die höchs­te Konka­vi­tät verwen­det. Die struk­tu­rel­le Progres­si­on wurde anhand der OCT-Ausdün­nungs­ra­te der reti­na­len Nerven­fa­ser­schicht (RNFL) und der Gangli­en­zell­schicht und inne­ren plexi­for­men Schicht (GCIPL) gemes­sen. Die funk­tio­nel­le Progres­si­on wurde anhand der HVF-Tests mittels Permu­ta­ti­ons­ana­ly­se der linea­ren Regres­si­ons­kri­te­ri­en bewertet.

Die Stei­fig­keits­pa­ra­me­ter korre­lier­ten posi­tiv mit der CCT, die in allen Analy­sen ange­passt wurde. Ein höhe­rer SP-A1, der auf eine stei­fe­re Horn­haut hindeu­tet, war mit einer schnel­le­ren RNFL-Ausdün­nungs­ra­te (p<0,001) asso­zi­iert, die über eine mitt­le­re Nach­be­ob­ach­tungs­zeit von 4,2 Jahren syner­gis­tisch mit einer dünne­ren CCT war (p=0,004). Augen mit höhe­rem SP-A1 und dünne­rer CCT (dünne und steife Horn­häu­te) hatten eine um 0,72 μm/Jahr beschleu­nig­te RNFL-Ausdün­nung im Vergleich zu Augen mit nied­ri­ge­rem SP-A1 und dicke­rer CCT (95%-Konfidenzintervall [KI] 0,17–1,28, p=0,011) und eine 2,9‑fach höhere Wahr­schein­lich­keit für ein schnel­les RNFL-Fort­schrei­ten von >1 μm/Jahr (95%-KI 1,4–6,1, p=0,006).

Konsis­ten­te Ergeb­nis­se wurden auch bei der GCIPL-Ausdün­nung beob­ach­tet. Darüber hinaus war ein höhe­rer SP-A1 mit einem höhe­ren Risiko für eine Progres­si­on des Gesichts­fel­des asso­zi­iert (p=0,002), syner­gis­tisch mit einer dünne­ren CCT (p=0,010). Augen mit höhe­rem SP-A1 und dünne­rer CCT hatten ein 3,7‑fach höhe­res Risiko für eine Gesichts­feld­pro­gres­si­on im Vergleich zu Augen mit dicke­rer CCT und nied­ri­ge­rem SP-A1 (95%-KI 1,3–10,5, p=0,014).

(isch)

Autoren: Qassim A et al.
Korrespondenz: Ayub Qassim; ayub.qassim@flinders.edu.au
Studie: Corneal stiffness parameters are predictive of structural and functional progression in glaucoma suspects
Quelle: Ophthalmology 2020; Nov 24:S0161-6420(20)31116-7.
Web: https://doi.org/10.1016/j.ophtha.2020.11.021

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