Glau­kom­ver­dacht

Geringer Vorhersagewert des erhöhten Augeninnendrucks allein bei Überweisung durch Optometristen

13. Januar 2021

MALMÖ (Bier­mann) – In einer prospek­ti­ven Studie unter­such­ten schwe­di­sche Wissen­schaft­le­rin­nen das Outco­me von Über­wei­sun­gen bei Glau­kom­ver­dacht, veran­lasst von Opto­me­tris­ten auf Grund­la­ge eines erhöh­ten Augen­in­nen­drucks (IOP). Wurde nur der IOP und keine weite­ren Krite­ri­en berück­sich­tigt, war der prädik­ti­ve Wert der Über­wei­sung schlecht. Ressour­cen wären effek­ti­ver genutzt worden, wenn das erfor­der­li­che Alter für Über­wei­sun­gen, die einzig aufgrund des IOPs erfolg­ten, auf ≥45 Jahre in Kombi­na­ti­on mit unter­schied­li­chen IOP-Schwel­len­wer­ten für bestimm­te Alters­grup­pen erhöht worden wäre, so das Fazit der Autorinnen.

Die Studie umfass­te 95 Perso­nen, die 2019 von Opto­me­tris­ten aufgrund eines erhöh­ten Augen­in­nen­drucks an das Univer­si­täts­kli­ni­kum Skåne in Malmö, Schwe­den, über­wie­sen wurden. Als posi­ti­ves Outco­me wurde die Diagno­se eines Glau­koms oder die Diagno­se eines Glau­kom­ver­dachts gewer­tet. Die Über­wei­sungs­ge­nau­ig­keit wurde analy­siert sowie posi­ti­ve Vorher­sa­ge­wer­te (PPV) verschie­de­ner hypo­the­ti­scher IOP- und Alters­schwel­len berechnet.

In 34% (95%-KI 24–43%) der Über­wei­sun­gen wurde keine Augen­er­kran­kung gefun­den. Der IOP war das einzi­ge Über­wei­sungs­kri­te­ri­um bei 77% (73/95). Der PPV betrug 35% (95%-KI 25–45%) für alle Über­wei­sun­gen, 27% (95%-KI 16–38%) für Nur-IOP-Über­wei­sun­gen und 59% (95%-KI 36–82%) für Über­wei­sun­gen mit zusätz­li­chen Befunden.

Bei Über­wei­sun­gen, die nur aufgrund des IOPs erfolg­ten, wurde bei keinem Pati­en­ten unter 45 Jahren eine eindeu­ti­ge Diagno­se eines Glau­koms gestellt. Die Anwen­dung einer theo­re­ti­schen Alters­gren­ze von ≥45 Jahren mit einer hypo­the­ti­schen IOP-Grenze von ≥25 mmHg bei Pati­en­ten von 45–69 Jahren und von ≥22 mmHg bei Pati­en­ten von ≥70 Jahren erhöh­te den PPV auf 42% (95%-KI 27–57%). Über­wei­sun­gen, die nur aufgrund des IOPs erfolg­ten, wären um 27% redu­ziert worden, ohne Glau­kom­fäl­le zu übersehen.

(isch)

Autoren: Landgren K et al.
Korrespondenz: Dorothea Peters; dorothea.peters@med.lu.se
Studie: A prospective study on effectiveness of elevated intraocular pressure as a criterion for glaucoma referrals by optometric practitioners in Sweden
Quelle: Acta Ophthalmol 2021 Jan 10.
Web: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/aos.14764

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