Glau­kom mit progre­dien­tem Funktionsverlust

Elektrische Optikus-Stimulation bewirkt Stabilisierung

11. April 2022

ERLANGEN (Bier­mann) – Bei Glau­kom­pa­ti­en­ten kommt es trotz einer wirk­sa­men Senkung des Augen­in­nen­dru­ckes (IOD) häufig zu einer Progres­si­on. Eine aktu­el­le Studie mit Real-Life-Daten hat nun gezeigt, dass die Elekro­sti­mu­la­ti­on des Sehnervs (ONS) eine geeig­ne­te adju­van­te Thera­pie­op­ti­on darstellt, die durch ihre neuro­re­ge­ne­ra­ti­ve und neuro­pro­tek­ti­ve Wirkung einer Progres­si­on entge­gen­wir­ken kann.

Die Wissen­schaft­ler schlos­sen 70 Glau­kom­pa­ti­en­ten (Alter 45–86 Jahre; 101 Augen) mit einem progre­dien­ten Sehver­lust unter IOD-senken­der, kontrol­lier­ter Thera­pie in ihre retro­spek­ti­ve Studie ein, bei denen ein Thera­pie­zy­klus mit ONS in den Augen­am­bu­lan­zen in Berlin, Hanno­ver, Ahaus, Neu-Ulm und München erfolgte.

Alle Augen wurden sepa­rat mithil­fe von Wech­sel­strom­im­pul­sen über eine Brille mit einge­bet­te­ten supra- und infra­or­bi­ta­len Elek­tro­den (Reiz­in­ten­si­tät ≤1,2 mA) bis zum indi­vi­du­el­len Phos­phen-Schwel­len­wert stimu­liert, und EEG-Signa­le zusätz­lich über eine Elek­tro­den­kap­pe aufgezeichnet.

Ein Zyklus umfass­te 1 Sitzung (ca. 80 Minu­ten) täglich an 10 aufein­an­der­fol­gen­den Tagen. Die Arbeits­grup­pe über­prüf­te die Daten zum Sehver­lust (stati­sche Schwel­len-Peri­me­trie in den zentra­len 30°; erfor­der­li­cher Relia­bi­li­täts­fak­tor ≤20%) vor der ONS (PRE) und verglich diese mit den Ergeb­nis­sen nach 1 Jahr (POST; mitt­le­re Follow-up-Zeit 362,2 Tage).

Die Gruppe legte als primä­ren Endpunkt die mitt­le­re Abwei­chung im Gesichts­feld (MD; Index für globa­len Glau­kom­scha­den) fest.

Die Forscher ermit­tel­ten, dass sich die media­ne MD insge­samt von PRE 14,0 dB auf POST 13,4 dB signi­fi­kant verrin­ger­te (p<0,01). Darüber hinaus beob­ach­te­ten die Glau­kom­spe­zia­lis­ten, dass 64 Augen von 49 Pati­en­ten (63,4%) eine konstan­te oder verbes­ser­te (redu­zier­te) media­ne MD aufwie­sen (PRE 13,4 dB vs. POST 11,2 dB; p<0,001), während sich die MD bei 37 Augen von 30 Pati­en­ten (36,6%) verschlech­ter­te (PRE 14,9 dB vs. POST 15,6 dB; p<0,001).

Laut den Autoren doku­men­tie­ren die vorlie­gen­den Lang­zeit­da­ten, dass ein Still­stand der Progres­si­on bei >63% der Augen nach ONS erreicht wurde, und somit die vorhan­de­ne Evidenz bislang durch­ge­führ­ter Studi­en erwei­tert werden konnte.

(tt)

Autoren: Erb C et al.
Korrespondenz: Jens Ellrich; jens.ellrich@fau.de
Studie: Electrical neurostimulation in glaucoma with progressive vision loss
Quelle: Bioelectron Med 2022; Mar 31;8(1):6.
Web: dx.doi.org/10.1186/s42234-022-00089-9

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