Glau­kom im Frühstadium

Herz-Kreislauf-Erkrankung sagt strukturelle und funktionelle Progression voraus

7. August 2020

ADELAIDE (Bier­mann) – Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen sind ein wich­ti­ger Risi­ko­fak­tor für die Glau­kom­pro­gres­si­on. Daher könne eine anti­hy­per­ten­si­ve Behand­lung wich­tig sein, um im Früh­sta­di­um eines Glau­koms eine Progres­si­on zu verhin­dern, so das Fazit austra­li­scher Ophthal­mo­lo­gen. Diese haben in einer prospek­ti­ven Kohor­ten­stu­die bei 1314 Teil­neh­mern (2628 Augen) den Zusam­men­hang zwischen Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen und struk­tu­rel­len Defek­ten bei Pati­en­ten mit einem Glau­kom im Früh­sta­di­um unter­sucht. Die Pati­en­ten wurden im Rahmen der Studie „Progres­si­on Risk of Glau­co­ma: REle­vant SNPs with Signi­fi­cant Asso­cia­ti­on“ (PROGRESSA) rekru­tiert und mittels Spec­tral-Domain-Opti­scher-Kohä­renz­to­mo­gra­phie (SD-OCT) und Gesichts­feld­pro­gres­si­on (Humphrey visual field, HVF) untersucht.

Die Pati­en­ten wurden so klas­si­fi­ziert, dass sie bei Studi­en­ein­schluss über­wie­gend mGCIPL (macu­lar gangli­on cell layer and inner plexi­form layer), über­wie­gend pRNFL (peri­pa­pil­la­ry reti­nal nerve fiber layer) oder eine äqui­va­len­te struk­tu­rel­le Verän­de­rung von mGCIPL und pRNFL zeig­ten. Die kardio­vasku­lä­ren Erkran­kun­gen und Medi­ka­ti­ons­ei­gen­schaf­ten dieser Studi­en­grup­pen wurden mit einer stabi­len Refe­renz­grup­pe vergli­chen. Die anschlie­ßen­de Analy­se bewer­te­te den Zusam­men­hang zwischen kardio­vasku­lä­ren Merk­ma­len und der longi­tu­di­na­len SD-OCT- oder HVF-Progression.

Nach Berück­sich­ti­gung des Alters und der kardio­vasku­lä­ren Merk­ma­le hatten Pati­en­ten mit über­wie­gen­der mGCIPL-Ausdün­nung zu Studi­en­be­ginn häufi­ger Blut­hoch­druck (OR 2,70; 95%-Konfidenzintervall [KI] 1,66–4,41; p<0,001), einen höhe­ren anti­hy­per­ten­si­ven (OR 2,03; 95%-KI 1,20–3,46; p=0,008) und Statin-Konsum (OR 1,98, 95%-KI 1,07–3,66; p=0,029) als die Pati­en­ten der Refe­renz­grup­pe. Pati­en­ten mit über­wie­gen­der pRNFL-Ausdün­nung zeig­ten keine höhere Präva­lenz von Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen oder Medi­ka­men­ten­ge­brauch als die Referenzpatienten.

Die Über­prü­fung der longi­tu­di­na­len SD-OCT- und HVF-Daten (mitt­le­re Nach­be­ob­ach­tungs­zeit: 5,34 ±1,29 Jahre) zeigte, dass eine syste­mi­sche Hyper­to­nie mit einem erhöh­ten Risiko für eine SD-OCT-Progres­si­on (OR 1,79; 95%-KI 1,17–2,75; p=0,006) und HVF-Progres­si­on (OR 1,92; 95%-KI 1,18–3,15; p=0,013) asso­zi­iert war. Das Vorhan­den­sein einer blut­druck­sen­ken­den Behand­lung war mit einem erhöh­ten Risiko einer SD-OCT-Progres­si­on (OR 1,83; 95%-KI 1,19–2,08; p=0,005) sowie mit einem höhe­ren Risiko einer HVF-Konver­si­on (OR 1,91; 95%-KI 1,16–3,13; p=0,010) assoziiert.

Ein Anstieg des systo­li­schen Blut­drucks um eine Stan­dard­ab­wei­chung (ca. 21 mmHg) zu Studi­en­be­ginn war mit einem höhe­ren Risiko für eine SD-OCT-Progres­si­on (OR 1,27; 1,01–1,63; p=0,041) und einem höhe­ren Risiko für eine HVF-Progres­si­on (OR 1,32; 95%-KI 1,01–1,73; p=0,043) asso­zi­iert. Der Zusam­men­hang zwischen systo­li­schem Blut­druck und struk­tu­rel­ler Progres­si­on war vergleich­bar mit dem zwischen inne­rem Augen­in­nen­druck und struk­tu­rel­ler Progres­si­on (OR 1,30; 95%-KI 1,01–1,67; p=0,039).

(isch)

Autoren: Marshall H et al.
Korrespondenz: Henry Marshall; h.n.marshall@outlook.com
Studie: Cardiovascular Disease predicts structural and functional progression in early glaucoma
Quelle: Ophthalmology 2020; Jul 27.
Web: https://doi.org/10.1016/j.ophtha.2020.06.067

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