Geogra­phi­sche Atrophie

Lesefähigkeit ist als Endpunkt geeignet

12. Oktober 2021

BONN (Bier­mann)  Die Asso­zia­ti­on von Lese­vi­sus und Lese­ge­schwin­dig­keit mit funk­tio­nel­len und morpho­lo­gi­schen Biomar­kern stützt die Eignung der Lese­leis­tung als aussa­ge­kräf­ti­gen Endpunkt klini­scher Studi­en. Dies schrei­ben die Autoren einer aktu­el­len Studie.

Die Wissen­schaft­ler nahmen 85 Pati­en­ten (150 Augen; medi­a­nes Alter 77,9 Jahre [Bereich 72,4–82,1]; 60% Frauen, 40% Männer) mit geogra­phi­scher Atro­phie (GA), die sich im Univer­si­täts­kli­ni­kum Bonn im Zeit­raum Juni 2013 bis Juni 2016 vorstell­ten, in die nicht inter­ven­tio­nel­le, prospek­ti­ve Verlaufs­stu­die (Direc­tio­n­al Spread in Geogra­phic Atro­phy Study) auf (Analy­se­zeit­raum Dezem­ber 2019 bis Januar 2021).

Mithil­fe der Radner-Lese­ta­feln bewer­te­te die Arbeits­grup­pe den Lese­vi­sus und die Lese­ge­schwin­dig­keit, analy­sier­te die GA halb­au­to­ma­tisch mittels longi­tu­di­na­ler Fundus-Auto­fluo­res­zenz- und Infra­rot­re­fle­xi­ons­auf­nah­men und extra­hier­te form­de­skrip­ti­ve Varia­blen. Um die Asso­zia­ti­on dieser Varia­blen mit der Lese­fä­hig­keit zu unter­su­chen, verwen­de­te sie linea­re gemisch­te Modelle.

Die Forscher ermit­tel­ten, dass die Lese­fä­hig­keit mit einem media­nen mono­ku­la­ren Lese­vi­sus von 0,9 (0,4–1,3) logRAD sowie einer Lese­ge­schwin­dig­keit von 52,8 (0–123) w/min beein­träch­tigt war. In der multi­va­ria­blen Quer­schnitts­ana­ly­se zeig­ten der best­kor­ri­gier­te Visus (BCVA), die Fläche der GA im zentra­len ETDRS-Teil­feld, die Klas­si­fi­ka­ti­on der nicht­zen­tra­len- vs. zentral-invol­vie­ren­den GA sowie die Fläche der GA im inne­ren rech­ten ETDRS-Teil­feld die stärks­ten Asso­zia­tio­nen mit dem Lese­vi­sus (kreuz­va­li­dier­tes R2 für Lesevisus=0,69).

Darüber hinaus stell­ten die Exper­ten fest, dass sich hinsicht­lich der Lese­ge­schwin­dig­keit als die rele­van­tes­ten Varia­blen der BCVA, der Visus bei gerin­ger Leucht­dich­te, die Fläche der GA im zentra­len, im inne­ren rech­ten sowie inne­ren oberen ETDRS-Teil­feld darstell­ten (R2 für Lesegeschwindigkeit=0,67). In der longi­tu­di­na­len Analy­se fanden sie eine ähnli­che Vorher­sa­ge­ge­nau­ig­keit für die Lese­fä­hig­keit (R2 für Lesevisus=0,73; R2 für Lesegeschwindigkeit=0,70).

Die Vorher­sa­ge­ge­nau­ig­keit verbes­ser­te sich nicht nach Aufnah­me der Nach­be­ob­ach­tungs­zeit als unab­hän­gi­ge Varia­ble. Ebenso unter­schied sich die binoku­la­re Lese­leis­tung nicht von der des besse­ren Auges.

Die Autoren beto­nen abschlie­ßend, dass sich die Versor­gung sehbe­ein­träch­tig­ter Pati­en­ten primär auf das besser sehen­de Auge konzen­trie­ren sollte.

(tt)

Autoren: Künzel SH et al.
Korrespondenz: Sandrine Künzel; sandrine.kuenzel@ukbonn.de
Studie: Association of Reading Performance in Geographic Atrophy Secondary to Age-Related Macular Degeneration With Visual Function and Structural Biomarkers
Quelle: JAMA Ophthalmol 2021; Sep 30 (online ahead of print)
Web: dx.doi.org/10.1001/jamaophthalmol.2021.3826

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