Gene­ti­scher Risiko-Score

Risiko-Allele für primäres Offenwinkelglaukom mit Alter bei Diagnose assoziiert

29. August 2019

BOSTON (Bier­mann) – Es ist bekannt, dass gene­ti­sche Vari­an­ten, die mit dem primä­ren Offen­win­kel­glau­kom (POWG) asso­zi­iert sind, das Krank­heits­ri­si­ko beein­flus­sen. Die klini­sche Wirkung von asso­zi­ier­ten Vari­an­ten einzeln oder insge­samt ist jedoch nicht bekannt. Gene­ti­sche Risi­ko­be­wer­tun­gen (GRS) unter­su­chen die kumu­la­ti­ve gene­ti­sche Belas­tung, indem sie einzel­ne gene­ti­sche Vari­an­ten zu einem einzi­gen Maß zusam­men­fas­sen. Es wird ange­nom­men, dass dies eine größe­re Wirkung hat und die Fähig­keit zur Erken­nung rele­van­ter krank­heits­be­ding­ter Asso­zia­tio­nen erhöht.

Ein US-ameri­ka­ni­sches Forscher­team hat nun heraus­ge­fun­den, dass eine höhere Dosis von POWG-Risiko-Alle­len mit einem frühe­ren Alter bei der Diagno­se eines Glau­koms asso­zi­iert ist. Im Durch­schnitt hatten Perso­nen mit POWG mit der höchs­ten GRS ein um 5,2 Jahre frühe­ren Zeit­punkt der Krank­heits­dia­gno­se. Diese Ergeb­nis­se legen nahe, dass eine GRS, die mit POWG asso­zi­ier­te gene­ti­sche Vari­an­ten enthält, dazu beitra­gen könnte, Pati­en­ten mit einem Risiko für einen frühe­ren Krank­heits­be­ginn zu iden­ti­fi­zie­ren, was das Scree­ning und thera­peu­ti­sche Stra­te­gien beeinflusst.

Die Quer­schnitt­stu­die umfass­te Perso­nen mit POWG und Kontrol­len aus der Glaucoma-Genes-and-Environment(GLAUGEN)-Studie und der National-Eye-Institute-Glaucoma-Human-Genetics-Collaboration(NEIGHBOUR)-Studie. Die Daten­er­he­bung begann im August 2012 für die NEIGH­BOR-Kohor­te und im Juli 2008 für die GLAU­GEN-Kohor­te. Ab März 2018 erfolg­te die Analyse.

Die GLAU­GEN-Studie umfass­te 976 Perso­nen mit POWG und 1140 Kontrol­len. Die NEIGH­BOR-Studie umfass­te 2132 Perso­nen mit POWG und 2290 Kontrol­len. Bei Perso­nen mit POWG betrug das mitt­le­re (SD) Alter bei Diagno­se 63,6 (9,8) Jahre in der GLAU­GEN-Kohor­te und 66,0 (13,7) Jahre in der NEIGH­BOR-Kohor­te. Bei den Kontroll­per­so­nen betrug das mitt­le­re Alter bei Aufnah­me 65,5 (9,2) Jahre in der GLAU­GEN-Kohor­te und 68,9 (11,4) Jahre in der NEIGHBOR-Kohorte.

Die GRS war in der Fall-Kontroll-Analy­se stark mit einem POWG-Risiko asso­zi­iert (Odds Ratio pro 1‑Punkt-Anstieg des Scores =1,24; 95%-Konfidenzintervall [KI], 1,21–1,27; p=3,4×10–66). In reinen Fall­ana­ly­sen war jede höhere GRS-Einheit zum Zeit­punkt der Diagno­se mit einem 0,36 Jahre frühe­ren Alter asso­zi­iert (β=–0,36; 95%-KI –0,56 bis –0,16; p=4,0×10–4). Perso­nen in den oberen 5% der GRS waren bei Diagno­se 5,2 (12,8) Jahre jünger als dieje­ni­gen in den unte­ren 5% der GRS (61,4 [12,7] vs. 66,6 [12,9] Jahre; p=5,0×10–4).

(isch)

Autoren: Fan BJ et al.
Korrespondenz: Bao Jian Fan, Department of Ophthalmology, Harvard Medical School, Massachusetts Eye and Ear, Boston, USA
Studie: Association of a Primary Open-Angle Glaucoma Genetic Risk Score With Earlier Age at Diagnosis
Quelle: JAMA Ophthalmol 2019 Aug 22. [Epub ahead of print]
Web: https://doi.org/10.1001/jamaophthalmol.2019.3109

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