Gangli­en­zell­schicht­di­cke nach über­stan­de­ner COVID-19-Erkrankung

Die Retina könnte ein Tor für den Viruseintritt ins Gehirn darstellen

3. Juni 2022

ANKARA (Bier­mann) – Bei gene­se­nen Pati­en­ten nach einer nicht schwer gelau­fe­nen COVID-19-Erkran­kung besteht oftmals eine Ausdün­nung der Gangli­en­zell­schicht­di­cke (GCLT) im Sinne einer neuro­re­ti­na­len Betei­li­gung, die eng verbun­den ist mit zentra­len neuro­lo­gi­schen Sympto­men wie bspw. kogni­ti­ven Störun­gen („Brain Fog“) oder Kopf­schmer­zen. Dieser Netz­haut­be­fund könnte sich als Marker für eine zentra­le neuro­lo­gi­sche Mani­fes­ta­ti­on von SARS-CoV‑2 erwei­sen, und sollte inter­dis­zi­pli­när über­wacht werden. Zu diesem Schluss sind die Autoren einer aktu­el­len Arbeit gekommen.

Die Wissen­schaft­ler schlos­sen 40 Pati­en­ten, im Mittel 113±62 Tage nach einer COVID-19-Erkran­kung (suba­ku­tes Stadi­um ≥4 Wochen) sowie 40 alters- und geschlechts­an­ge­pass­te gesun­de Kontroll­per­so­nen in ihre Studie ein. Die Arbeits­grup­pe führte neuro­lo­gi­sche und ophthal­mo­lo­gi­sche Unter­su­chun­gen, insbe­son­de­re eine Spec­tral-Domain-OCT durch. Zusätz­lich über­prüf­te die Gruppe klini­sche und bioche­mi­sche Befun­de der Pati­en­ten und deren Korre­la­tio­nen zur GCLT.

Die Forscher ermit­tel­ten, dass kein signi­fi­kan­ter Unter­schied der GCLT zwischen den Pati­en­ten und den Kontrol­len bestand (14±4,0 µm vs. 16±4,8 µm; p=0,332). Nach­dem die Reti­no­lo­gen jedoch nur die COVID-Gruppe in Bezug auf neuro­lo­gi­sche Sympto­me analy­sier­te, zeigte sich, dass die Pati­en­ten mit kogni­ti­ven Störun­gen (n=15) eine dünne­re GCLT aufwie­sen als dieje­ni­gen ohne diese Beschwer­den (13±3 µm vs. 16±4 µm; p=0,002). Ebenso zeig­ten Pati­en­ten, die während der akti­ven Infek­ti­on an Kopf­schmer­zen litten (n=29), eine gerin­ge­re GCLT als dieje­ni­gen ohne (14±4 µm vs. 18±5 µm; p=0,015).

Demge­gen­über unter­schied sich die GCLT nicht signi­fi­kant im Hinblick auf Beschwer­den wie Anos­mie, Ageu­sie, Schlaf­stö­run­gen, eine statt­ge­hab­te COVID-19-Pneu­mo­nie oder dem Niko­tin­sta­tus. Zudem konsta­tier­ten die Exper­ten keine Korre­la­ti­on zwischen der GCLT und dem Pati­en­ten­al­ter, dem zeit­li­chen Abstand nach der COVID-Erkran­kung sowie den Labor­wer­ten vom Thyreo­idea-stimu­lie­ren­den Hormon, Gluko­se, Vitamin D sowie Vitamin B12.

(tt)

Autoren: Taskiran-Sag A et al.
Korrespondenz: Aslihan Taskiran-Sag; aslihantaskiran@gmail.com
Studie: Headache and cognitive disturbance correlate with ganglion cell layer thickness in patients who recovered from COVID-19
Quelle: Clin Neurol Neurosurg 2022; Jun;217:107263.
Web: dx.doi.org/10.1016/j.clineuro.2022.107263

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