Fall-Kontroll-Studie

Glaukom-Risikofaktoren nach Implantation der Boston-Keratoprothese

2. Februar 2021

MONTREAL (Bier­mann) – Kana­di­sche Ophthal­mo­lo­gen bewer­te­ten in einer Fall-Kontroll-Studie die Glau­kom-Risi­ko­fak­to­ren und die mit einer Boston-Kera­to­pro­the­se Typ I (KPro) asso­zi­ier­ten Ergeb­nis­se. Ihr Fazit: Ein hoher präope­ra­ti­ver Augen­in­nen­druck (IOP) weist auf ein erhöh­tes Risiko für die Entwick­lung und das Fort­schrei­ten eines Glau­koms nach einer KPro-Opera­ti­on hin.

Zwischen Okto­ber 2008 und März 2017 wurden bei 118 Pati­en­ten (140 Augen) von einem einzel­nen Chir­ur­gen KPro-Opera­ti­on durch­ge­führt. Um die Korre­la­ti­on zwischen den Augen zu berück­sich­ti­gen, erfolg­te bei 118 Augen von 118 Pati­en­ten ein Follow-up für mindes­tens 6 Monate. Pati­en­ten ohne Glau­kom wurden mit Pati­en­ten vergli­chen, bei denen ein Glau­kom diagnos­ti­ziert wurde, einschließ­lich der Behand­lung mit Medi­ka­men­ten zur Senkung des IOP oder einer Glau­kom-Opera­ti­on. In einer Subgrup­pen­ana­ly­se wurden Prä-KPro-Glau­kom-Augen mit Post-KPro-Glau­kom-Augen verglichen.

Die statis­ti­sche Analy­se beinhal­te­te Kaplan-Meier-Über­le­bens­kur­ven. Haupt­end­punk­te waren die Diagno­se und das Fort­schrei­ten eines Glau­koms. Weite­re Outco­mes waren Demo­gra­fie, präope­ra­ti­ve Diagno­se, best­kor­ri­gier­te Sehschär­fe (BCVA), IOP, Progres­si­on der Cup-Disc-Ratio (CDR) sowie post­ope­ra­ti­ve Komplikationen.

Das mitt­le­re Alter lag bei 60,7 ±16,7 Jahren zum Zeit­punkt der Opera­ti­on mit einem Follow-up von 6,9 ±3,2 Jahren. Die De-novo-KPro-Glau­kom-Inzi­denz betrug 24% (28/118), was 3,4 Fällen pro 100 Augen­jah­ren entspricht, wobei der Beginn bei 2,1 ± 2,2 Jahren nach der Opera­ti­on lag. 17 von 118 Augen (14%) hatten kein Glau­kom. Die binäre Regres­si­on zeigte, dass ein hoher präope­ra­ti­ver IOP ein Prädik­tor für höhere Raten der Glau­kom-Entwick­lung (Odds Ratio [OR] 1,538, 95%-Konfidenzintervall [KI] 1,030–2,297, p=0,035) und der Glau­kom-Progres­si­on (OR 1,450, 95%-KI 1,084–1,937, p=0,012) war.

Stroma­le oder endo­the­lia­le Erkran­kun­gen waren protek­ti­ve präope­ra­ti­ve Diagno­sen einer Glau­kom-Progres­si­on nach KPro (OR 0,002, 95%-KI 0,000–0,227, p=0,010). Ein größe­rer Anteil der Augen mit Auto­im­mun- und Augen­ober­flä­chen­er­kran­kun­gen entwi­ckel­te nach KPro ein De-novo-Glau­kom im Vergleich zu ande­ren präope­ra­ti­ven Diagno­sen (p<0,05).

45% der glau­kom­a­tö­sen KPro-Augen litten an einer post­ope­ra­ti­ven Glau­kom-Progres­si­on. Die mitt­le­re endgül­ti­ge BCVA der Kohor­te betrug 1,76 ±1,0, ohne Unter­schied zwischen Augen mit und ohne Glau­kom (p>0,05). Die Rate schwer­wie­gen­der visus­be­dro­hen­der Kompli­ka­tio­nen war bei KPro-Augen ohne Glau­kom (77%) höher als bei Pati­en­ten mit Glau­kom (41%, p=0,006).

(isch)

Autoren: Geoffrion D, Harissi-Dagher M.
Korrespondenz: Mona Harissi-Dagher; monadagher@hotmail.com
Studie: Glaucoma Risk Factors and Outcomes Following Boston Keratoprosthesis Type 1 Surgery
Quelle: Am J Ophthalmol 2021 Jan 22:S0002-9394(21)00026-X.
Web: https://doi.org/10.1016/j.ajo.2021.01.006

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