Extre­me Früh­ge­burt­lich­keit mit visu­el­len und okulä­ren Folgen

Defizite treten auch ohne Frühgeborenen-Retinopathie auf

21. Februar 2022

LONDON (Bier­mann) – Wie die Autoren einer aktu­el­len Studie berich­ten, können visu­el­le und okulä­re Funk­ti­ons­stö­run­gen bei extrem zu früh gebo­re­nen Perso­nen ([EP]; ≤25. Schwan­ger­schafts­wo­che) teil­wei­se unab­hän­gig vom Vorhan­den­sein einer Früh­ge­bo­re­nen-Reti­no­pa­thie (ROP) auftre­ten, aber ähnli­che Befun­de aufweisen.

In ihre in Groß­bri­tan­ni­en und Irland durch­ge­führ­ten prospek­ti­ven Kohor­ten­stu­die mit 19-jähri­ger Nach­kon­troll­zeit schlos­sen die Wissen­schaft­ler eine geogra­fisch basier­te Geburts­ko­hor­te von 128 EP-Perso­nen (256 Augen; mitt­le­res Alter 19,3±0,5 Jahre; 53% Frauen) und 65 alters­an­ge­pass­te, voll ausge­tra­ge­ne Kontroll­per­so­nen ([HC]; 130 Augen; mitt­le­res Alter 19,2±0,5 Jahre; 62% Frauen) ein, die im Zeit­raum zwischen dem 1. März und dem 31. Dezem­ber 1995 gebo­ren worden waren.

Die Arbeits­grup­pe über­prüf­te im Zeit­raum 1. März 2020 bis 26. Novem­ber 2021 folgen­de Para­me­ter: Best­kor­ri­gier­te Sehschär­fe (BCVA), Refrak­ti­on, Kontrast- und Farb­se­hen, Präva­lenz für Strabismus/Nystagmus sowie die subjek­ti­ve Sehfunk­ti­on in Bezug auf die Lebens­qua­li­tät mithil­fe des Health-Utili­ties-Index-Mark‑3.

Die Forscher ermit­tel­ten in der EP-Gruppe eine signi­fi­kant schlech­te­re BCVA als in der HC-Gruppe (mono­ku­lar 0,14±0,38 vs. ‑0,06±0,14 logMAR; binoku­lar 0,06±0,37 vs. ‑0,14±0,15 logMAR; beide p<0,001). Des Weite­ren wiesen die EP- im Vergleich zu den HC-Perso­nen eine signi­fi­kant höhere Präva­lenz für Stra­bis­mus (36 vs. 0%; p<0,001), für einge­schränk­te okulä­re Moti­li­tät (15 vs. 0%; p<0,001) sowie für Nystag­mus (13 vs. 0%; p<0,001) auf.

Die Ophthal­mo­lo­gen stell­ten keine Unter­schie­de zwischen den Grup­pen in Bezug auf Refrak­ti­ons­feh­ler, Kontrast- und Farb­se­hen sowie subjek­ti­ver Sehfunk­ti­on fest.

Zudem beob­ach­te­ten die Exper­ten bei den EP-Teil­neh­mern, dass bei 120 Augen (48%) keine ROP vorlag, bei 98 Augen (39%) eine neona­tal nicht thera­pie­be­dürf­ti­ge ROP bestand und bei 32 Augen (13%) eine Kryo- oder Laser­ko­agu­la­ti­on bei ROP durch­ge­führt wurde.

Inner­halb der EP-Gruppe zeig­ten sich keine signi­fi­kan­ten Unter­schie­de bezüg­lich der binoku­la­ren Sehfunk­ti­ons­pa­ra­me­tern, der Präva­lenz okulä­rer Morbi­di­tät sowie der subjek­ti­ven Sehfunktion.

(tt)

Autoren: Jain S et al.
Korrespondenz: Saurabh Jain; saurabh.jain@nhs.net
Studie: Functional Ophthalmic Factors Associated With Extreme Prematurity in Young Adults
Quelle: JAMA Netw Open 2022; Jan 4;5(1):e2145702.
Web: dx.doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2021.45702

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