Diabe­ti­sches Makulaödem

Kompensatorische systemische Netrin-1-Reaktion nach intravitrealer Bevacizumab-Injektion

10. Juni 2021

RIZE (Bier­mann) – Intra­vit­rea­le Injek­tio­nen mit Beva­ci­zumab (BCZ) wirken syste­misch, und senken die Serum-VEGF-Spie­gel signi­fi­kant, wie eine prospek­ti­ve Fall-Kontroll-Studie einer türki­schen Arbeits­grup­pe bestä­tig­te. Darüber hinaus führte die BCZ-Injek­ti­on zu einer signi­fi­kan­ten Hoch­re­gu­lie­rung der Konzen­tra­ti­on von Netrin‑1, einem weite­ren angio­ge­nen Media­tor. Viele Augen­ärz­te würden den Einsatz von intra­vit­rea­lem Beva­ci­zumab aufgrund der Annah­me vermei­den, dass gerin­ge Mengen der Wirk­stoffs, die nach einer intra­vit­rea­len Injek­ti­on in den syste­mi­schen Kreis­lauf gelan­gen, syste­mi­sche Neben­wir­kun­gen durch die Hemmung des syste­mi­schen VEGF verur­sa­chen könn­ten, so die Studi­en­au­toren. Diese Studie zeige jedoch, dass Netrin‑1 anstei­ge und eine kompen­sa­to­ri­sche Reak­ti­on indu­zie­re, die die Beein­träch­ti­gung physio­lo­gi­scher Funk­tio­nen verhindere.

Die Studie umfass­te 50 Teil­neh­mer, die 1 von 3 Grup­pen zuge­teilt wurden, darun­ter 10 Pati­en­ten mit diabe­ti­schem Maku­la­ö­dem (DME) und nicht proli­fe­ra­ti­ver diabe­ti­scher Reti­no­pa­thie (NPDR), 13 Pati­en­ten mit DME und proli­fe­ra­ti­ver diabe­ti­scher Reti­no­pa­thie (PDR) und 27 Gesun­den als Kontroll­grup­pe. Die Serum-VEGF- und Netrin-1-Konzen­tra­tio­nen wurden durch Enzyme-linked Immu­no­sor­bent Assays (ELISA) unmit­tel­bar vor sowie 1 Woche und 1 Monat nach der intra­vit­rea­len BCZ-Injek­ti­on gemessen.

Die mitt­le­ren VEGF-Serum­kon­zen­tra­tio­nen in der PDR- und NPDR-Gruppe betru­gen zu Studi­en­be­ginn 388,4 bezie­hungs­wei­se 196,9 pg/ml. Nach 1 Woche änder­ten sich diese Konzen­tra­tio­nen auf 193,41 bezie­hungs­wei­se 150,23 pg/ml (p=0,001 und p=0,005); nach 1 Monat betru­gen die Konzen­tra­tio­nen 97,89 bezie­hungs­wei­se 76,46 pg/ml (p=0,001 und p=0,009). Die mitt­le­ren Netrin-1-Serum­kon­zen­tra­tio­nen in der PDR- und NPDR-Gruppe betru­gen zu Studi­en­be­ginn 318,2 bezie­hungs­wei­se 252,7 pg/ml. Nach 1 Woche stie­gen diese Konzen­tra­tio­nen auf 476,6 bezie­hungs­wei­se 416,3 pg/ml (p=0,033 und p=0,005) und nach 1 Monat betru­gen sie 676,6 bezie­hungs­wei­se 747,5 pg/ml (p=0,001 und p=0,005). Die Korre­la­ti­ons­ana­ly­se ergab eine signi­fi­kan­te inver­se Bezie­hung zwischen Verän­de­run­gen der Serum-VEGF- und Netrin-1-Konzen­tra­tio­nen sowohl in der PDR- als auch in der NPDR-Gruppe (r=–0,685, p=0,029).

Die Autoren der aktu­el­len Studie merken an, dass weite­re Studi­en, die die Netrin-1-Antwort im Glas­kör­per und Kammer­was­ser nach Anti-VEGF-Behand­lun­gen unter­su­chen, weite­re Hinwei­se für neue DME-Behand­lungs­op­tio­nen liefern könnten.

(isch)

Autoren: Okutucu M et al.
Korrespondenz: Murat Okutucu; muratokutucu83@gmail.com
Studie: Increased serum concentration of netrin-1 after intravitreal bevacizumab injection: is it a compensatory mechanism to counteract drug side effects?
Quelle: BMC Ophthalmol 2021 May 31;21(1):243.
Web: https://doi.org/10.1186/s12886-021-01989-1

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