Diabe­ti­sche Reti­no­pa­thie und Anti-VEGF-Therapie

Gesamtmortalitätsrisiko erweist sich als erhöht

13. Juli 2022

BOSTON (Bier­mann) – Wie die Autoren einer neuen Veröf­fent­li­chung berich­ten, besteht bei Pati­en­ten mit Diabe­ti­scher Reti­no­pa­thie (DR), die mit VEGF-Inhi­bi­to­ren behan­delt werden, im Vergleich zu denje­ni­gen, bei denen andere Thera­pie­ver­fah­ren erfol­gen, zwar kein gestei­ger­tes Risiko für kardio­vasku­lä­re (CV) Ereig­nis­se, jedoch ein erhöh­tes Gesamtmortalitätsrisiko.

Die Wissen­schaft­ler schlos­sen aus den US-ameri­ka­ni­schen Daten­ban­ken von Medi­ca­re und 2 kommer­zi­el­len Kran­ken­ver­si­che­run­gen insge­samt 61.508 Pati­en­ten mit DR, bei denen im Zeit­raum Januar 2009 bis Dezem­ber 2017 entwe­der eine Anti-VEGF-Behand­lung (Gruppe 1) oder eine panre­ti­na­le Photo­ko­agu­la­ti­ons- bzw. Corti­cos­te­ro­id-Injek­ti­ons-Thera­pie (Gruppe 2) begon­nen wurde, in ihre popu­la­ti­ons­ba­sier­te Kohor­ten­stu­die ein. Die Forschen­den pass­ten die Grup­pen zu Studi­en­be­ginn mithil­fe multi­va­ria­bler logis­ti­scher Regres­si­ons­mo­del­len für 85 Kova­ria­ten im Verhält­nis 1:1 anhand des Propen­si­ty-Score-Matching (PSM) an. Zusätz­lich führte die Arbeits­grup­pe Subgrup­pen­ana­ly­sen in Bezug auf anamnes­tisch bekann­te CV-Vorfäl­le durch. Die Haupt­end­punk­te nach 180 bzw. 365 Tagen nach Thera­pie­be­ginn umfass­ten die gesam­ten CV-Ereig­nis­se, bestehend aus Myokard­in­farkt (MI) und Apoplex, dessen sepa­ra­te Vorfäl­le sowie die Gesamtmortalität.

Die Forscher ermit­tel­ten, dass die Gruppe 1 nach 180 Tagen im Vergleich zur Gruppe 2 weder ein erhöh­tes Risiko für CV-Ereig­nis­se gesamt (HR 0,95; 95%-KI 0,83–1,09) noch für einen MI (HR 0,93; 95%-KI 0,76–1,13), für einen Apoplex (HR 0,98; 95%-KI 0,8–1,19) oder für die Gesamt­mor­ta­li­tät (HR 1,25; 95%-KI 0,97–1,62) verzeich­ne­te. Ebenso lag in der Gruppe 1 nach 365 Tagen ein sich in etwa entspre­chen­des Risiko für alle Endpunk­te wie in Gruppe 2 vor, wohin­ge­gen das Gesamt­mor­ta­li­täts­ri­si­ko sich als erhöht darstell­te (HR 1,35; 95%-KI 1,14–1,60). Zudem konsta­tier­ten die Exper­ten, dass bei Pati­en­ten mit voran­ge­gan­ge­nen CV-Vorfäl­len eine Zunah­me des Gesamt­mor­ta­li­täts­ri­si­kos bestand.

(tt)

Autoren: Roh M et al.
Korrespondenz: Elisabetta Patorno; epatorno@bwh.harvard.edu
Studie: Cardiovascular and mortality risk with intravitreal vascular endothelial growth factor inhibitor in patients with diabetic retinopathy
Quelle: Ophthalmol Retina 2022; Jun 28;S2468-6530(22)00317-7.
Web: dx.doi.org/10.1016/j.oret.2022.06.010

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