Diabe­ti­sche Retinopathie

Nach bariatrischen Eingriffen sollte engmaschig kontrolliert werden

12. Februar 2021

KINGSTON Baria­tri­sche Opera­tio­nen (Magen­ver­klei­ne­run­gen) führen zu einer Remis­si­on von Diabe­tes melli­tus Typ‑2 und vermin­dern mikro­vasku­lä­re Kompli­ka­tio­nen. Ihre Wirkung auf die diabe­ti­sche Reti­no­pa­thie (DR) war bislang unklar. Studi­en deuten jedoch darauf hin, dass eine zügige Verbes­se­rung der Hyper­gly­kämie post­ope­ra­tiv zu einer früh auftre­ten­den Verschlech­te­rung der DR führe.

In einem aktu­el­len Review haben die Autoren fest­ge­stellt, dass sich in der frühen post­ope­ra­ti­ven Phase eine bereits bestehen­de schwe­re DR verschlech­tert, wohin­ge­gen der baria­tri­sche Eingriff an sich mit insge­samt weni­ger DR-Fällen und weni­ger visus­be­dro­hen­den Netz­haut­er­kran­kun­gen asso­zi­iert war.

Die Forscher führ­ten eine Lite­ra­tur­re­cher­che mithil­fe von Medli­ne, Embase und Central bis März 2020 durch. Sie schlos­sen Primär­stu­di­en ein, die eine DR bei baria­trisch-operier­ten Pati­en­ten mit medi­ka­men­tös einge­stell­ten Pati­en­ten verglichen.

Die Ergeb­nis­se wurden mittels des Random-Effects-Modells meta­ana­ly­siert. Primä­re Endpunk­te waren die Präva­lenz aller Formen der DR sowie visus­be­dro­hen­de DR post­ope­ra­tiv. Sekun­dä­re Endpunk­te beinhal­te­ten Verschlech­te­rung der DR in einem Zeit­raum von ≥12 Monaten.

Die Ophthal­mo­lo­gen nahmen 14 Studi­en mit 110.300 operier­ten Pati­en­ten und 252.289 Kontroll­pa­ti­en­ten auf. Die operier­ten Pati­en­ten zeig­ten eine statis­tisch signi­fi­kant gerin­ge­re post­ope­ra­ti­ve Präva­lenz aller Formen der DR (RR 0,17; 95%-KI 0,13–0,22) und visus­be­dro­hen­der DR (RR 0,47; 95%-KI 0,27–0,82). Diabe­ti­ker, bei denen bereits eine schwe­re RD bestand, zeig­ten häufi­ger im frühen Follow-Up eine Verschlech­te­rung bis hin zu einer visus­be­dro­hen­den DR. Nach mehr als 12 Mona­ten führte die Opera­ti­on hinge­gen zu deut­lich weni­ger progre­dien­ten Verläu­fen (RR 0,29; 95%-KI 0,16–0,54). Die Wissen­schaft­ler beto­nen, dass das Bias-Risiko insge­samt gering war und die Schät­zun­gen der rela­ti­ven Effek­te eine nied­ri­ge bis mode­ra­te Beweis­si­cher­heit zeigten

Sie fassen zusam­men, dass eine regel­mä­ßi­ge ophthal­mo­lo­gi­sche Unter­su­chung nach baria­tri­scher Inter­ven­ti­on während des ersten post­ope­ra­ti­ven Jahres vonnö­ten sei.

(tt)

Autoren: Yu CW et al.
Korrespondenz: Dennis Hong; dennishong70@gmail.com
Studie: The Impact of Bariatric Surgery on Diabetic Retinopathy: A Systematic Review and Meta-Analysis
Quelle: Am J Ophthalmol 2021; Jan 8;S0002-9394(21)00007-6.
Web: dx.doi.org/10.1016/j.ajo.2020.12.033 

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