Diabe­ti­sche Reti­no­pa­thie bei Typ-1-Diabetikern

Zerebrale Mikroangiopathie ist mit Schwere assoziiert

6. September 2021

HELSINKI (Bier­mann) – Die zere­bra­le Klein­ge­fäß­er­kran­kung (CSVD) tritt häufig bei neuro­lo­gisch asym­pto­ma­ti­schen Pati­en­ten mit Typ-1-Diabe­tes (T1D) auf. Es wird vermu­tet, dass das reti­na­le Gefäß­sys­tem – als „Fens­ter zum Gehirn“– das Gefäß­sys­tem des Gehirns wider­spie­gelt, wobei es bislang nur wenige Daten zu diesem Zusam­men­hang bei T1D gibt.

Eine aktu­el­le Studie hat nun gezeigt, dass die CSVD in der MRT, insbe­son­de­re zere­bra­le Mikro­blu­tun­gen (CMB), mit der Schwe­re einer diabe­ti­schen Reti­no­pa­thie (DR) bei T1D asso­zi­iert sind.

Die Autoren nahmen 189 Pati­en­ten mit T1D (Durch­schnitts­al­ter 35; ±33–45 Jahre; 53% Frauen; Diabe­tes­dau­er 21,6 ±18,2–30,7 Jahre) sowie 29 alters- und geschlechts­an­ge­pass­te Kontroll­per­so­nen in die Quer­schnitts­stu­die auf. Bei der Unter­su­chung handel­te es sich um eine Teil­stu­die der Finnish Diabe­tic Nephro­pa­thy Study.

Die Arbeits­grup­pe führte eine klini­sche Unter­su­chung, eine MRT des Gehirns sowie eine bild­ge­ben­de Diagnos­tik des Fundus durch und analy­sier­te Anzei­chen einer CSVD  in Bezug auf den Schwe­re­grad der DR (Early-Treat­ment-Diabe­tic-Reti­no­pa­thy-Study [ETDRS]-Score).

Die Forscher ermit­tel­ten, dass T1D-Pati­en­ten mit CSVD im Vergleich zu denen ohne CSVD höhere Werte auf dem ETDRS-Score (35 [Bereich 20–61] vs. 20 [Bereich 20–35]; p=0,022) sowie eine höhere Präva­lenz der proli­fe­ra­ti­ven diabe­ti­schen Reti­no­pa­thie ([PDR]; 25% vs. 9%; p=0,002) aufwie­sen. In der adjus­tier­ten Analy­se war eine PDR mit einer CSVD asso­zi­iert (OR 2,57; 95%-KI 1,04–6,35).

Des Weite­ren stell­ten die Exper­ten fest, dass bei T1D-Pati­en­ten mit CMB gegen­über denen ohne CMB der media­ne Wert auf der ETDRS-Skala (35 [Bereich 20–65] vs. 20 [Bereich 20–35]; p=0,024) sowie die Präva­lenz der PDR (29% vs. 13%; p=0,002) höher lagen. Die Werte auf dem EDTRS-Score stie­gen mit der Anzahl an CMB (p=0,001).

Darüber hinaus waren in der sepa­ra­ten multi­va­ria­blen Analy­se sowohl die Werte auf der ETDRS-Skala (OR 1,05; 95%-KI 1,02–1,09) als auch die PDR (OR 8,52; 95%-KI 1,91–37,94) mit >2 CMB asso­zi­iert, wohin­ge­gen kein Zusam­men­hang mit Hyper­in­ten­si­tä­ten der weißen Substanz oder laku­nä­ren Infark­ten bestand.

(tt)

Autoren: Eriksson MI et al.
Korrespondenz: Per-Henrik Groop; henrik.groop@helsinki.fi
Studie: Cerebral small-vessel disease is associated with the severity of diabetic retinopathy in type 1 diabetes
Quelle: BMJ Open Diabetes Res Care 2021; Aug;9(1):e002274.
Web: dx.doi.org/10.1136/bmjdrc-2021-002274

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