Cornea­les Crosslinking

Individualisiertes „Sub400“-Protokoll für extrem dünne Hornhäute

14. Januar 2021

ZÜRICH (Bier­mann) – Schwei­zer Augen­ärz­te befass­ten sich in einer retro­spek­ti­ven inter­ven­tio­nel­len Fall­se­rie kürz­lich mit der Frage, inwie­fern ein indi­vi­du­el­les Proto­koll für sehr dünne Horn­häu­te in der Lage sein könnte, die Progres­si­on eines Kera­to­ko­nus zu stoppen.
Einge­schlos­sen wurden 39 Augen mit progres­si­vem Kera­to­ko­nus und einer Horn­haut-Stroma­di­cke von 214–398 µm. Die UV-Bestrah­lung wurde mit 3mW/cm2 und in Bezug auf die jewei­li­ge Horn­haut­di­cke indi­vi­dua­li­sier­ter Expo­si­ti­ons­zeit durch­ge­führt. Prä- und post­ope­ra­tiv wurden best­kor­ri­gier­ter Fern­vi­sus (CDVA) und Refrak­ti­on gemes­sen sowie eine Unter­su­chung mit der Scheim­pflug-Kamera und dem Vorder­ab­schnitts-OCT durch­ge­führt. Primä­re Endpunk­te waren ein Stop­pen der Kera­to­ko­nus-Progres­si­on nach zwölf Mona­ten post­ope­ra­tiv und die Tiefe der stroma­len Demar­ka­ti­ons­li­nie (DL).

Von den einge­schlos­se­nen 39 Augen zeig­ten 35 Augen (90%) eine Stabi­li­tät des Kera­to­ko­nus nach zwölf Mona­ten. Keines der Augen wies eine Endo­thel-Dekom­pen­sa­ti­on auf. Eine signi­fi­kan­te Korre­la­ti­on fand sich zwischen der Tiefe der Demar­ka­ti­ons­li­nie und der Bestrah­lungs­zeit (r=+0,448, p=0,004), nicht aber zwischen der Tiefe der DL und der Verän­de­rung des Kmax (r=-0,215, p=0,189). Es fand sich eine signi­fi­kan­te Verän­de­rung (p<0,05) der Horn­haut­di­cke an der dünns­ten Stelle (-14,5 +/- 21,7μm), des Kmax (-2,06 +/- 3,66 dpt) und der Dichte (+2,00 +/- 2,07 GSU). Für den best­kor­ri­gier­ten Fern­vi­sus (p=0,611), sphä­ri­sche (p=0,077) und tori­sche Refrak­ti­ons­wer­te (p=0,915) fanden sich keine signi­fi­kan­ten Veränderungen.

Das Sub-400-Proto­koll stan­dar­di­sie­re die Behand­lung sehr dünner Horn­häu­te und könne die Progres­si­on des Kera­to­ko­nus mit einer Erfolgs­ra­te von 90% inner­halb von zwölf Mona­ten aufhal­ten. Das Proto­koll erlau­be die Behand­lung von Horn­häu­ten bis zu einer Dicke von 214 µm, so die Autoren der Studie. Die Tiefe der cornea­len Demar­ka­ti­ons­li­nie ermög­li­che jedoch keine Vorher­sa­ge des Behand­lungs­er­folgs. (ak)

Autoren: Hafezi F et al.
Korrespondenz: farhad@hafezi.ch
Studie: Individualized corneal cross-linking with riboflavin and UV-A in ultra-thin corneas: the sub400 protocol
Quelle: Am J Ophthalmol. 2020 Dec 16;S0002-9394(20)30669-3.
Web: https://doi.org/10.1016/j.ajo.2020.12.011

html

Aus rechtlichen Gründen (Heilmittelwerbegesetz) dürfen wir die Informationen nur an Fachkreise weitergeben.