Chorio­re­t­ini­tis centra­lis serosa

Verschreibung systemischer Kortikosteroide erfolgt trotz CCS-Diagnose

10. Juli 2020

PALO ALTO (Bier­mann) – Eine im „Ophthal­mo­lo­gy“ publi­zier­te retro­spek­ti­ve Analy­se legt offen, dass viele Pati­en­ten nach der Diagno­se einer Chorio­re­t­ini­tis centra­lis serosa (CCS) weiter­hin syste­mi­sche Korti­kos­te­ro­ide verschrie­ben bekom­men, obwohl bekannt ist, dass Stero­ide zur CCS-Entwick­lung beitra­gen können. Aufgrund ihrer Ergeb­nis­se fordern die US-ameri­ka­ni­schen Autoren eine stär­ke­re Kommu­ni­ka­ti­on und Zusam­men­ar­beit zwischen den Betei­lig­ten, um sicher­zu­stel­len, dass evidenz­ba­sier­te Empfeh­lun­gen in der Praxis umge­setzt werden.

Zur Analy­se der Häufig­keit syste­mi­scher Korti­kos­te­ro­id­ver­ord­nun­gen vor und nach der Diagno­se einer CCS wurde eine natio­nal reprä­sen­ta­ti­ve Stich­pro­be von kommer­zi­ell Versi­cher­ten ausge­wählt, die zwischen 2007 und 2015 betreut wurden. Die Autoren haben die Studi­en­po­pu­la­ti­on auf Pati­en­ten mit CCS-Vorfäl­len beschränkt. Pati­en­ten mit ande­ren schwer­wie­gen­den ophthal­mo­lo­gi­schen Komor­bi­di­tä­ten wurden ausge­schlos­sen. Als Kontrol­le wurde eine Nicht-CCS-Vergleichs­ko­hor­te auf die CCS-Pati­en­ten hinsicht­lich Alter, Geschlecht, allge­mei­ne Gesund­heit (Charl­son-Comor­bi­di­ty-Index) und geogra­fi­sche Region angepasst.

Die syste­mi­schen Korti­kos­te­ro­id­ver­ord­nun­gen wurden vor und nach der CCS-Diagno­se sowie hinsicht­lich der Diagno­se-stel­len­den Perso­nen­grup­pe (Opti­ker versus Augen­arzt) vergli­chen. Die Wahr­schein­lich­keit, Stero­ide als CCS-Pati­ent versus Kontroll­per­son zu erhal­ten wurde mittels logis­ti­scher und Cox-Regres­si­on ermit­telt. Ziel­grö­ßen waren: die Häufig­keit syste­mi­scher Korti­kos­te­ro­id­ver­ord­nun­gen bei CCS-Pati­en­ten inner­halb von 12 Mona­ten vor der Diagno­se und 6, 12 und 24 Monate nach der Diagno­se, die durch­schnitt­li­che Zeit bis zum Einsatz und bis zum Abset­zen von Stero­iden sowie die Wahr­schein­lich­keit, Stero­ide nach der CCS-Diagno­se als Pati­ent bzw. als Kontrol­le zu erhalten.

Es konn­ten 3418 CCS-Pati­en­ten iden­ti­fi­ziert werden. Fast 39% (n=1326) wurden syste­mi­sche Stero­ide während des Analy­se­zeit­raums verschrie­ben, vergli­chen mit 23% bei der Kontroll­grup­pe (4033 von 17.178 Pati­en­ten). Über 12% der CCS-Pati­en­ten (n=430) erhiel­ten inner­halb eines Jahres vor der Diagno­se Stero­ide, und fast 12% (n=404) erhiel­ten inner­halb eines Jahres nach der Diagno­se Stero­ide. Die meis­ten Pati­en­ten, die Stero­ide nach der Diagno­se erhiel­ten, waren stero­id-naiv (n=231). Das am häufigs­ten verschrie­be­ne Stero­id war orales Pred­ni­son (ca. 1 Monat).

Bei den CCS-Pati­en­ten verging durch­schnitt­lich mehr Zeit bis zur ersten Stero­id­ver­schrei­bung nach der Diagno­se (1,82 Jahre versus 0,50 Jahre bei Kontrol­len) und mehr Zeit bis zur letz­ten Stero­id­ver­schrei­bung (1,62 Jahre versus 0,35 Jahre bei Nicht-CCS-Pati­en­ten). Obwohl CCS-Pati­en­ten im Vergleich zu den Kontroll­per­so­nen 6 Monate nach der Diagno­se signi­fi­kant selte­ner Stero­ide erhiel­ten (Odds Ratio=0,72, 95%-Konfidenzintervall 0,59–0,89), erhiel­ten sie 2 Jahre nach der Diagno­se signi­fi­kant häufi­ger Steroide.

Die Verschrei­bungs­mus­ter der CCS-Pati­en­ten, die von einem Augen­arzt diagnos­ti­ziert wurden ähnel­ten den Verschrei­bungs­mus­tern der Pati­en­ten, die ihre Diagno­se von einem Augen­op­ti­ker erhielten.

(isch)

Autoren: Azad AD et al.
Korrespondenz: Suzann Pershing; pershing@stanford.edu
Studie: Systemic Corticosteroid Use after Central Serous Chorioretinopathy Diagnosis
Quelle: Ophthalmology 2020; Jun 30.
Web: https://doi.org/10.1016/j.ophtha.2020.06.056

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