Chorio­i­der­e­mie

Wirksamkeit und Sicherheit der Gentherapie mit Adeno-assoziiertem Virusvektor

11. September 2019

TÜBINGEN (Bier­mann) – Die Chorio­i­der­e­mie (CHM) ist eine selte­ne, dege­ne­ra­ti­ve, gene­tisch beding­te Netz­haut­er­kran­kung, die auf eine Muta­ti­on des CHM-Gens zurück­zu­füh­ren ist und zu einem Fehlen des funk­tio­nel­len ras-asso­zi­ier­ten Rab-„Escortprotein“ 1 (REP1) führt. Es gibt derzeit keine zuge­las­se­ne Behand­lung für CHM. Eine Genthe­ra­pie mit einem Adeno-asso­zi­ier­ten Virus­vek­tor, der eine funk­tio­nel­le Versi­on des CHM-Gens liefern soll, zeigte nun im Rahmen einer Phase-II-Studie eine Aufrecht­erhal­tung oder Verbes­se­rung der Sehschär­fe in behan­del­ten Augen, jedoch ohne signi­fi­kan­ten Unter­schied zu den Kontrollaugen.

Ziel der offe­nen, rando­mi­sier­ten, klini­schen Phase-II-Studie namens THOR war es, die Sicher­heit und Wirk­sam­keit der Genthe­ra­pie mit einem Adeno-asso­zi­ier­ten Virus­vek­tor (AAV2) zu unter­su­chen. Die Daten von 6 Männern mit einer mole­ku­lar bestä­tig­ten CHM-Diagno­se wurden vom 11. Januar 2016 bis zum 26. Febru­ar 2018 gesammelt.

Die Pati­en­ten erhiel­ten AAV2-REP1 durch einma­li­ge subre­ti­na­le Injek­ti­on von 0,1 ml 10exp11 Genom­par­ti­keln während der Vitrek­to­mie in ein Auge, das nach dem Zufalls­prin­zip für die Behand­lung ausge­wählt wurde. Primä­rer Endpunkt war die Ände­rung der best­kor­ri­gier­ten Sehschär­fe (BCVA) im Chart der Early-Treat­ment-Diabe­tic-Reti­no­pa­thy-Studie von Base­li­ne bis zum 24. Monat im behan­del­ten Auge versus Kontrollau­ge. Zu den sekun­dä­ren Endpunk­ten zähl­ten Mikrope­ri­me­trie­va­ria­blen, Ände­run­gen der Fundus-Auto­fluo­res­zenz und Spectral-Domain-Optische-Kohärenztomographie-Auswertungen.

Base­li­ne war das Durch­schnitts­al­ter (SD) der 6 in die Studie einbe­zo­ge­nen Männer 54,9 (4,1) Jahre. Der mitt­le­re BCVA-Score betrug 60,3 (13,4) (unge­fähr 20/63 Snel­len-Äqui­va­lent) in den Studi­en­au­gen und 69,3 (20,6) (unge­fähr 20/40 Snel­len-Äqui­va­lent) in den Kontrollaugen.

Nach 24 Mona­ten war die BCVA-Verän­de­rung 3,7 (7,5) in den behan­del­ten Augen und 0,0 (5,1) in den Kontrollau­gen (Diffe­renz 3,7; 95%-Konfidenzintervall [KI] –7,2 bis 14,5; p=0,43). Die mitt­le­re Ände­rung der Netz­haut­sen­si­ti­vi­tät lag bei 10,3 (5,5) dB in den behan­del­ten Augen und 9,7 (4,9) dB in den Kontrollau­gen (Diffe­renz 0,6; 95%-KI –10,2 bis 11,4; p=0,74). Insge­samt wurden 28 uner­wünsch­te Ereig­nis­se gemel­det. Alle stimm­ten mit dem chir­ur­gi­schen Eingriff über­ein (zum Beispiel Hyper­ämie der Binde­haut oder Fremd­kör­per­ge­fühl); keiner wurde als schwer­wie­gend angesehen.

Weite­re Unter­su­chun­gen könn­ten die Wirk­sam­keit und Sicher­heit der Genthe­ra­pie mit AAV2-REP1 bei CHM genau­er bestim­men, so die Studi­en­au­toren abschließend.

(isch)

Autoren: Fischer MD et al.
Korrespondenz: M. Dominik Fischer; dominik.fischer@uni-tuebingen.de
Studie: Efficacy and Safety of Retinal Gene Therapy Using Adeno-Associated Virus Vector for Patients With Choroideremia: A Randomized Clinical Trial
Quelle: JAMA Ophthalmol 2019 Aug 29.
Web: https://doi.org/10.1001/jamaophthalmol.2019.3278

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