Canna­bis und Glaukom

Von Fachgesellschaften abweichende Empfehlungen in sozialen Medien

30. November 2020

PHILADELPHIA (Bier­mann) – US-ameri­ka­ni­sche Ophthal­mo­lo­gen analy­sier­ten in einer inter­net­ba­sier­ten Quer­schnitts­stu­die die inhalt­li­che Quali­tät der belieb­tes­ten und am höchs­ten bewer­te­ten Such­ergeb­nis­se im Inter­net im Zusam­men­hang mit Glau­kom und medi­zi­ni­schem Canna­bis (MC). Trotz der Aussa­gen der Ameri­can Acade­my of Ophthal­mo­lo­gy, der Cana­di­an Ophthal­mo­lo­gi­cal Socie­ty und der Ameri­can Glau­co­ma Socie­ty gegen den medi­zi­ni­schen Canna­bis­kon­sum bei Glau­kom­pa­ti­en­ten empfiehlt ein erheb­li­cher Teil der unter­such­ten Online-Quel­len dessen Verwen­dung. Ange­sichts der großen Unter­schie­de in Quali­tät und Inhalt von Online-Infor­ma­tio­nen sei es für Augen­ärz­te wich­tig, sich der verschie­de­nen Platt­for­men und Meinun­gen bewusst zu sein, die den Pati­en­ten zur Verfü­gung stehen, so das Fazit der Studienautoren.

Die Wissen­schaft­ler verwen­de­ten Google sowie die 2 Social-Media-Platt­for­men Face­book und Youtube, um Online-Infor­ma­tio­nen heraus­zu­fil­tern, die für Pati­en­ten am besten zugäng­lich sind. Zu den Such­kri­te­ri­en gehör­ten „glau­co­ma“ UND „mari­jua­na“ oder „canna­bi­no­id“ oder „CBD“. Die 20 besten Google- und Youtube-Ergeb­nis­se für jeden Such­be­griff sowie die Beiträ­ge der 9 besten pati­en­ten­ba­sier­ten Glau­kom-Face­book-Grup­pen wurden anhand der Such­kri­te­ri­en aggre­giert und analysiert.

Die Quali­tät des Inhalts wurde von zwei unab­hän­gi­gen Gutach­tern anhand eines zuvor vali­dier­ten Sand­vik-Scores und eines Risiko-Scores bewer­tet. Unter­schied­li­che Werte wurden von einem fina­len Gutach­ter geklärt. Zusätz­li­che Analy­sen umfass­ten, ob die Quelle profes­sio­nell war (vom Arzt oder einer medi­zi­ni­schen Orga­ni­sa­ti­on) oder eine Meinung zur Anwen­dung von MC (pro, gemischt oder dage­gen) beim Glau­kom teilte.

Die Suche ergab insge­samt 51 Websites bei Google, 126 Beiträ­ge von Face­book-Grup­pen und 37 Videos bei Youtube. Der mitt­le­re Sand­vik-Score (± Stan­dard­ab­wei­chung) und der Risiko-Score betru­gen 11,0 (±2,23), 10,2 (±1,12), 10,6 (±1,89) bzw. 0,27 (±0,49), 0,46 (±0,62) bzw. 0,97 (±0,90) für Google, Face­book und Youtube. Die ANOVA-Analy­se zeigte statis­tisch signi­fi­kan­te Unter­schie­de im Sand­vik-Score (p=0,01) und Risiko-Score (p<0,0001) zwischen den drei Plattformen.

Ein erheb­li­cher Teil der Online-Quel­len war für die Verwen­dung von MC bei einem Glau­kom (24% der Google‑, 59% der Youtube- und 21% der Face­book-Ergeb­nis­se). Profes­sio­nel­le Inhal­te hatten einen signi­fi­kant höhe­ren Quali­täts­fak­tor für Inhal­te, einen nied­ri­ge­ren Risiko-Score und empfah­len mit gerin­ge­rer Wahr­schein­lich­keit die Verwen­dung von MC beim Glaukom.

(isch)

Autoren: Jia JS et al.
Korrespondenz: Natasha N. Kolomeyer, Glaucoma Department, Wills Eye Hospital 840 Walnut Street, Suite 1100 Philadelphia, PA 19107
Studie: Marijuana and Glaucoma: A Social Media Content Analysis
Quelle: Ophthalmol Glaucoma 2020; Nov 23:S2589-4196(20)30304-5.
Web: https://doi.org/10.1016/j.ogla.2020.11.004

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